Gründer Andreas Sichert

„Ich wollte verstehen, was an der Tafel steht“

Feuerwehrmann, Rennfahrer, Landwirt? Dr. Andreas Sichert hatte viele Lebensträume. Er wählte die Physik – weil ihn interessiert hat, wie Dinge funktionieren. Heute sorgt er mit Orcan Energy für nachhaltige Stromgewinnung und für eine bessere Welt.

Energie und ihre Erzeugung ist ein brisantes Thema für Wirtschaft und Politik. Die Ressourcen sind knapp, die Nachfrage ist riesig. Schon lange denken die Menschen darüber nach, wie Energie so hergestellt werden kann, dass die Ressourcen geschont und der Output groß ist. „Das Thema Energie fand ich schon im Studium spannend“, erzählt TUM Alumnus Dr. Andreas Sichert, und zusammen mit den Maschinenbau-Studenten Andreas Schuster und Richard Aumann hat er ein bahnbrechendes Konzept entwickelt, mit dem er vielleicht sogar mehr für die Welt tun kann als in den vielen anderen Jobs, die er sich für sein Leben vorgestellt hatte.

Das ORC-Modul erzeugt Strom bereits aus geringen Mengen Abwärme, also der ungenutzten thermischen Energie, die bei vielen Prozessen in der Industrie, bei der Energieerzeugung und im Verkehr anfällt. Der efficiency PACK von Orcan Energy ist ein kleines Kraftwerk, das bis zu 100 Kilowatt Strom erzeugen kann und damit den jährlichen Stromverbrauch von rund 230 Haushalten deckt. Diese nachhaltige Lösung sorgt natürlich für Aufsehen und hat der TUM Ausgründung schon viele Kunden und Auszeichnungen beschert, darunter den TUM Presidential Entrepreneurship Award 2016.

Prof. Dr. Thomas Hofmann, Vizepräsident der TUM, überreicht Richard Aumann, Dr. Andreas Sichert und Dr. Andreas Schuster den TUM Presidential Entrepreneurship Award 2016.

2016 erhielten die Gründer von Orcan Energy den TUM Presidential Entrepreneurship Award: Vizepräsident Thomas Hofmann überreicht Richard Aumann, Dr. Andreas Sichert und Dr. Andreas Schuster die Urkunde (Bild: Heddergott/TUM).

Als Kind wollte er so ziemlich alles einmal werden: „Feuerwehrmann, Landwirt, Rennfahrer oder in die Fußstapfen meiner Eltern treten und unsere Familienmetzgerei weiter in die nächste Generation führen“, erzählt er. Aber ihn habe auch schon immer interessiert, wie und warum die Dinge funktionierten. „Mathe war mir zu theoretisch, und ich war mir nicht sicher, ob ich geschickt genug für das Ingenieurwesen bin.“ Das Physikstudium sei dann die ideale Möglichkeit gewesen, nicht nur „Neugier und gute Jobaussichten zu verbinden“, sondern auch sich im Feld zwischen Technik und Wirtschaft zu bewegen: „Das Physikstudium vermittelt ein sehr gutes mathematisches und technisches Verständnis, so dass es ermöglicht, die Brücke zwischen Technik und Wirtschaft zu schlagen. Innovation entsteht ja gerade an dieser interdisziplinären Schnittstelle: Welche technischen Möglichkeiten gibt es, und welche Möglichkeiten sind – wie umgesetzt – wirtschaftlich sinnvoll?“

Die Universität als besonderer Ort

Heute sorgt er mit seinem Team für eine bessere Welt: Anstatt zu verpuffen, wird die Abwärme aus unterschiedlichen Bereichen für neue Energie genutzt – das ist Umweltschutz pur! Die Ehrfurcht vor dem Funktionieren und dem Erhalt der Welt, in der wir leben, begleitet Andreas Sichert sein ganzes Leben lang. Mit staunenden Augen habe er sein Studium begonnen, erzählt er: „Alles war so neu, so groß – die neue Welt, die mir jetzt offen stand.“ Und er erinnert sich an die Wehmut, mit der er aus dem Uni-Leben trat: „Auch wenn man – mit dem Erreichen des Diploms oder des Doktors – natürlich auf das Ende der Studienzeit hinarbeitet, kann ich mich noch gut erinnern, dass in den letzten Tagen, also im Abschied aus der akademischen Welt, viel Wehmut lag, diesen besonderen Ort jetzt zu verlassen.“ Letztendlich aber bleibt er mit der Entwicklung nach alternativen und effizienten Formen der Energiegewinnung ja seinem akademischen Wesen treu.

Das Video zum TUM Presidential Entrepreneurship Award 2016 finden Sie auf dem Youtube-Kanal der TUM: