Start-up-Gründer Hanno Renner

„Man darf sich für keinen Job zu schade sein“

Sein Studium finanzierte Hanno Renner als Skipper auf Segelyachten. Heute ist der TUM Alumnus Kapitän eines 500-Millionen-Dollar-Start-ups. Den nötigen Rückenwind erhielt er an der TUM.

Wo andere Urlaub machen, arbeitete Hanno Renner während des Studiums: in der Karibik und im Mittelmeerraum. Als ausgebildeter Skipper schipperte er dort in den Semesterferien Touristen auf Segelbooten durch die Meere. Das, was Hanno Renner heute als Chef eines millionenschweren Start-ups an Führungskompetenzen mitbringt, hat er auf hoher See erprobt. „In beiden Jobs muss man Verantwortung für sein Team und seine Kunden übernehmen“, erklärt der Jungunternehmer. „Hier wie dort muss man sein Boot und seine Crew führen und darf sich für keinen Job zu schade sein.“

Unbeirrter Kurs

Schon beim Bachelorstudium des Wirtschaftsingenieurwesens wusste Hanno Renner, dass er später einmal an digitalen Produkten arbeiten wollte, die Lösungen für echte Probleme bieten sollten. Auch wollte er ein Unternehmen gründen, in dem er selbst gerne arbeiten würde. Auf genau dieses Ziel arbeitete der gebürtige Offenburger systematisch hin, indem er sich für den Masterstudiengang der Technologie- und Managementorientierten Betriebswirtschaftslehre entschied. „Mit TUM-BWL fand ich einen attraktiven Studiengang“, sagt Hanno Renner. „Ich konnte mein technisches Know-How vertiefen und gleichzeitig meinem Interesse an Management-Themen nachgehen.“

Ein weiterer ausschlaggebender Grund für die Wahl der TUM war für ihn aber auch die Möglichkeit, parallel das Programm des Center for Digital Technology and Management (CDTM) durchlaufen zu können – mittlerweile bekannt als Kader-Schmiede für Münchens Start-up-Elite. Mit dem interdisziplinären Zusatz-Studienprogramm Technology Management des CDTM, einem Verbundinstitut von TUM und LMU, wollte Hanno Renner schon studienbegleitend wertvolle praxisorientierte Erfahrungen im Bereich Management und Entrepreneurship sammeln.

Gemeinsam in einem Boot

Zufällig machte ein Freund Hanno Renner darauf aufmerksam, dass viele Unternehmen noch heute grundlegende Prozesse der Personalverwaltung per Hand oder in ausufernden Excel-Tabellen und damit umständlich und zeitraubend handhaben. „Uns war schnell klar, dass das ein Problem war, für das wir eine Lösung anbieten könnten“, sagt Hanno Renner. „Das war die Initialzündung.“

Mit TUM-BWL fand ich einen attraktiven Studiengang.

Begeistert erzählte er seinen Kommilitonen am CDTM, Roman Schumacher und den TUM Alumni Arseniy Vershinin (Bachelor Informatik 2015) und Ignaz Forstmeier (Bachelor TUM-BWL 2013) von der zukunftsträchtigen Idee einer Software für die Personalarbeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Gehaltsabrechnungen, Bewerbungen und Einstellungen, Urlaubsanträge und Krankmeldungen sollten mit der Software fortan digital abgewickelt werden. Im Rahmen einer Gruppenarbeit erarbeiteten die vier im Handumdrehen ein stichfestes Konzept, entwickelten einen Prototypen ihrer Software Personio – und gründeten 2015 kurzerhand das gleichnamige Start-up.

Volle Fahrt voraus

Als CEO hält Hanno Renner das Ruder seines Unternehmens sicher in der Hand und steuert dessen beispiellose Erfolgsgeschichte. Namhafte internationale Investoren stehen regelrecht Schlange und steckten bisher 130 Millionen Dollar in das Unternehmen. Rund 2.000 Unternehmen mit knapp 164.000 Mitarbeitenden, darunter das Who is Who der deutschen Start-up-Szene, nutzen bereits die Software – mit der Personio freilich auch das eigene rasant wachsende Team managt. Nötig ist das allemal: Rund 17.000 Bewerbungen sind allein im letzten Jahr eingegangen. Mittlerweile zählt das Unternehmen fast 400 Mitarbeitende aus über 40 Nationen. Erst kürzlich wurden Dependancen in Madrid und London eröffnet.

Dass absolutes Herzblut in seinem Unternehmen steckt, wird deutlich, wenn Hanno Renner von seinem Arbeitspensum erzählt. „Das Unternehmen mit nur fünfzig Wochenstunden aufzubauen, wäre extrem schwierig gewesen“, räumt er ein. Doch runterfahren will er noch lange nicht. „Wir wollen die Zukunft der Personalarbeit aktiv mitgestalten und Marktführer in Europa werden.“ Um das zu schaffen, muss Hanno Renner das rasante Tempo halten, wenn nicht gar steigern. Aber Tempo und Ausdauer ist der leidenschaftliche Sportler schließlich gewohnt. Zwei Triathlons will er in 2020 laufen.