Women of TUM-Schirmherrin Hannemor Keidel

„Man muss bereit sein, für etwas zu kämpfen“

Als Schirmherrin unterstützt TUM Alumna Dr. Hannemor Keidel seit Jahren die Women of TUM. In ihrer eigenen Laufbahn musste sie sich bei Studienwahl und Berufstätigkeit mehrfach gegen Kritik aus Familie und Freundeskreis durchsetzen.

Ihr Studium hat sich Hannemor Keidel in den sechziger Jahren selbst finanziert. Ihr Vater, ein Ingenieur, vertrat damals die Einstellung, dass seine Tochter, die zu diesem Zeitpunkt bereits verlobt war, ein Studium nicht nötig hätte. Doch Hannemor Keidel sah das anders. Bereits in der Schule hatte sie ein ausgeprägtes Interesse an Geschichte entwickelt. Zudem war sie in der Schulzeit bereits aus Austauschschülerin in den USA gewesen und dort viel mit politischen Überlegungen in Berührung gekommen. Nach dem Abitur am Luisengymnasium in München studierte sie also Geschichte mit dem Nebenfach Politik und wechselte für die Promotion in Politischen Wissenschaften an die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät der TUM.

Promovieren mit Kind

Während ihrer Promotionszeit bekam Hannemor Keidel zwei Kinder und arbeitete weiterhin als wissenschaftliche Assistentin an der TUM. „Ich hatte meine Mutter, meine Schwiegermutter, meinen Bruder und meine Schwester gegen mich“, erzählt Hannemor Keidel. „Sie wunderten sich, dass ich einen gut verdienenden Mann hatte und trotzdem weiterarbeiten wollte.“ Doch Hannemor Keidel hatte Lust auf die spannenden Aufgaben und meisterte den Spagat zwischen Kindern und Karriere mit Bravour. „Am Lehrstuhl selbst gab es überhaupt keine Probleme dort mit bereits kleinem Kind zu promovieren. Ich konnte auch auf flexible Arbeitszeiten bauen.“

Alle wunderten sich, warum ich als Mutter und Ehefrau arbeiten wollte.

An ihre Promotion schlossen sich für Hannemor Keidel Lehraufträge an der Universität Leipzig und ein Forschungsaufenthalt in Frankreich an. Nach ihrer Rückkehr an die TUM wurde sie im Jahr 2000 als erste und damals einzige Frau in die Hochschulleitung der TUM berufen und war als Vizepräsidentin acht Jahre lang verantwortlich für die internationalen Beziehungen und die Alumniarbeit ihrer Alma Mater. Für ihren Erfolg an der Universität macht sie ihre Konsequenz und ihr Durchhaltevermögen verantwortlich: „Ich habe gelernt, mir meine Neugier immer zu bewahren und gelegentlich auch bereit zu sein, für etwas einzustehen und dafür zu kämpfen.“

TUM Alumna Dr. Hannemor Keidel als Schirmherrin von Women of TUM.

Dr. Hannemor Keidel im Gespräch mit den Women of TUM (Foto: Astrid Eckert/TUM).

Beziehungen zu Frankreich

Besonders am Herzen lagen Hannemor Keidel stets die Beziehungen zu Frankreich. 2010 ernannte TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann sie deshalb zu seiner Beauftragten für die Wissenschaftsbeziehungen zu Frankreich. Neben dem interkulturellen Austausch hat sich Hannemor Keidel in ihrer Laufbahn zudem dauerhaft für die Gleichstellung von Männern und Frauen eingesetzt. 2011 übernahm sie das damals neue Amt der Vizepräsidentin für Diversity and Talent Management und entwickelte eine neue Diversity-Strategie, die ein maßgeblicher Teil des Zukunftskonzepts war, mit dem die TUM bei der Exzellenzinitiative 2012 Erfolg hatte.

Besondere Verdienste um die Politikwissenschaft erwarb sie als Beauftragte des Präsidenten für die Neugestaltung der Hochschule für Politik München (HfP), deren Trägerschaft die TUM im Jahr 2014 übernahm. „Als Politikwissenschaftlerin an einer technischen Universität habe ich oft bemerkt, dass es keine Verständigung zwischen den Wissenschaftskulturen – Geistes- und Sozialwissenschaften auf der einen Seite und Technik- und Naturwissenschaften auf der anderen Seite – gibt“, sagt Hannemor Keidel dazu. Mit ihrer neuen Fakultät, der TUM School of Governance, habe die TUM einen Weg gefunden, die Studierenden schon früh auf die Wechselwirkungen von Technologie und Politik vorzubereiten, um sich den Herausforderungen einer modernen Gesellschaft verantwortungsbewusst stellen zu können.