Tiefseetechniker Gunnar Brink

„Die alles entscheidende Extrameile“

Spannend, was sich mehrere 1.000 Meilen unter dem Meer tut und unglaublich, dass wir so wenig darüber wissen. Biophysiker und TUM Alumnus Dr. Gunnar Brink hat den Ehrgeiz, das zu ändern.

Sein Physikstudium begann Dr. Gunnar Brink zunächst im beschaulichen Tübingen. Eine personelle Präferenz zog ihn dann aber ziemlich schnell an die TUM. Mit dem Physik-Vordiplom in der Tasche und dem Wunsch, sich dem Bereich der Biophysik in vollstem Umfang zu widmen, entdeckte Gunnar Brink nach kurzer Recherche, dass der damalige „Marktführer“ an der TUM saß. Professor Erich Sackmann, der als Begründer der Biologischen Physik in Deutschland gilt, wurde in Folge dessen nicht nur sein Professor, sondern auch sein Doktorvater.

Während seines Studiums an der TUM habe Gunnar Brink gelernt, die alles entscheidende Extrameile zu gehen und sich bei jeder neuen Herausforderung das Ziel noch etwas höher zu setzen. „Es ist viel zu verbreitet, dass man sich selbst die Latte so niedrig legt, dass man bequem über sie springen kann und das dann als das ‚maximal Erreichbare‘ definiert. Eine solche Haltung hatte an der TUM keine Chance.“

Eine Ausbildung mit Tiefe bietet viele Wege

Geprägt von dieser Moral und Leistungsbereitschaft, führte ihn sein Lebensweg aber doch ziemlich weit weg von der einstigen Liebe zur Biophysik. Stattdessen setzte er sich mit Marketing und Bilanzen auseinander, stieg ins Innovationsmanagement ein und arbeitete sich zuletzt in die Ozeanologie ein. Und trotzdem empfindet er auch für diese Prozesse sein Physikstudium als elementar. „An manchen Universitäten nehmen Bindestrich-Fächer überhand, in denen den Studierenden in keinem Teilfach Tiefe zugemutet wird“, findet Gunnar Brink. „Sich so gründlich in ein Fach zu vertiefen, hat mir genau das Rüstzeug mitgegeben, das es mir heute erlaubt, schnell aber dennoch umfassend in neue Themen in ganz anderen Feldern einzusteigen.“

Es ist viel zu verbreitet, dass man sich selbst die Latte so niedrig legt, dass man bequem über sie springen kann.

So geschah es dann auch in seiner aktuellen Position am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung. Hier vertiefte sich Gunnar Brink  in Windeseile in die Tiefseetechnik und begann mit seinem Team, den Arggonauts, Unterwasserdrohnen zu entwickeln. Motivation, diese autonomen U-Boote in die finsteren Tiefen der Weltmeere zu schicken gab und gibt es genug. Die Tiefsee ist für Gunnar Brink ein hochspannendes Gebiet. Der Drang, technische Möglichkeiten zu schaffen, um in unerforschte Gebiete vorzudringen, lässt ihn nicht los: „Es gibt in der Tiefsee mindestens 300.000 Schiffswracks mit sehr hohem archäologischen und historischen Wert. Und man vermutet, dass es etwa zehn Millionen Arten von Lebewesen gibt, die man bis heute nicht kennt. Dazu ist der Ozean als Rohstofflager und Energielieferant natürlich auch wirtschaftlich von sehr großem Interesse“, erklärt Gunnar Brink.

Die Extrameile für die U-Boot-Drohnen

Für den Laien klingt das Unterwasser-Robotik-System eigentlich ganz simpel. Elektrisch angetriebene Katamarane ziehen die Tauchdrohnen im Schwarm aufs offene Meer. Dort werden die Drohnen entkoppelt und finden ihren Weg selbst in die Tiefe – bis zu 4.000 Meter. Am Meeresboden angekommen beginnen sie mit dem Scannen. Nach getaner Arbeit tauchen sie wieder an die Wasseroberfläche, werden von den Katamaranen geschnappt und zurück an Land geschleppt. All das funktioniert vollkommen autonom – ohne Menschenhand. So simpel ist es dann aber natürlich doch nicht. Gunnar Brink winkt ab: „So viele Meilen unter dem Meer gibt es viele Hürden.“ So funktioniere beispielsweise das GPS nicht, was die Positionsbestimmung erschwert. Doch er bleibt zuversichtlich: „Wir haben zwar noch sehr viel Arbeit vor uns, aber auch viel Ehrgeiz. Ich bin mir sicher, dass sich unsere Extrameilen auszahlen werden.“

Tatsächlich winken den Arggonauts Ruhm und ein sehr hohes Preisgeld. Sie sind mittlerweile in die Finalrunde des internationalen Wissenschaftspreises XPRIZE vorgedrungen. Der Ansporn ist groß, den Sieg nach Hause zu holen. „Für ein Land, das sich als Ingenieur-Nation versteht, ist es eigentlich nicht hinnehmbar, dass in der Vergangenheit noch keiner der Preise nach Deutschland ging“, erklärt Gunnar Brink und fährt mit glänzenden Augen sehr optimistisch fort: „Für unser Team besteht eine ernsthafte Chance, diesen wichtigen Innovationspreis zu gewinnen.“