TUM-Professorin Ilona C. Grunwald Kadow

„Ich will verstehen, wie unser Gehirn funktioniert“

Als TUM-Professorin für Neurobiologie erforscht Ilona Grunwald Kadow die Gehirne von Fruchtfliegen. Ihr Interesse gilt nicht nur der Evolution neuronaler Schaltkreise. Sie möchte auch die Rahmenbedingungen für Frauen im Hochschulbereich verändern.

Professorin Dr. Ilona C. Grunwald Kadow stammt aus einer Familie von Naturwissenschaftlern und Ärzten. Schon früh wurde sie an grundlegende Fragestellungen zur empirischen Erforschung der Natur herangeführt. „Ich will verstehen, wie unser Gehirn funktioniert“, sagt sie heute. „Wie sich das Nervensystem evolutionär angepasst hat, um unser Überleben zu ermöglichen, das fasziniert mich wahnsinnig.“ Da das menschliche Gehirn mit seinen 87 Milliarden Neuronen viel zu komplex ist, untersucht sie die vergleichsweise simplen Gehirne von Fruchtfliegen.

Eine Frage der Motivation

Überleben hängt von den richtigen Entscheidungen angesichts externer Stimuli ab. Und Entscheidungsmechanismen hängen ihrerseits von internen Zuständen wie der Motivation ab. Spannend ist hierbei für Ilona Grunwald Kadow, warum sich zwei Menschen in der gleichen Situation unterschiedlich entscheiden. Als Professorin für Neuronale Kontrolle des Metabolismus untersucht sie seit 2017 an der TUM die Gehirne der Fruchtfliege Drosophila und erforscht, wie deren Motivation funktioniert.

Die Freiheit in der Forschung ist meine Motivation, nicht Ruhm, nicht Geld.

Mit ihrer interdisziplinären Arbeitsgruppe schickt sie die Tierchen auf eine Art Laufband, um zu testen, wie sehr sie sich bemühen, um ihr Futter zu erreichen. „Es ist der größte Luxus, dass ich mich mit Fragen beschäftigen kann, die mich und nicht den Chef interessieren“, sagt sie. „Diese Freiheit in der Forschung ist meine Motivation, das macht mich glücklich und zufrieden – nicht Ruhm, nicht Geld.“

Vielversprechendes Umfeld

Ilona Grunwald Kadow lernte in ihrer ambitionierten akademischen Laufbahn eine ganze Reihe exzellenter Forschungseinrichtungen in Deutschland und den USA kennen. An der TUM fühlt sie sich besonders wohl. Die Rahmenbedingungen stimmen einfach. „In vielen Bereichen wird ein sehr moderner Ansatz verfolgt“, sagt sie. „Die TUM erfindet sich immer wieder neu und legt großen Wert darauf, noch dynamischer, jünger, internationaler und weiblicher zu werden.“ Ilona Grunwald Kadow findet es großartig, wie nachhaltig an der TUM exzellente Forschung, der wissenschaftliche Nachwuchs und – durch das Women of TUM Netzwerk und die exklusiven Women of TUM Talks – speziell Frauen gefördert werden.

„Es reicht nicht aus, einfach mehr Frauen einzustellen“, betont die TUM-Professorin. „Es müssen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen vorhanden sein, die Wissenschaftlerinnen Chancengleichheit einräumen.“ Damit die Zukunft für Frauen im universitären Umfeld noch aussichtsreicher wird, möchte sie sich fortan selbst in der Hochschulpolitik engagieren. Sie betont aber auch, wie wichtig das familiäre Umfeld für die Karriere von Frauen ist. Ihren zweiten Ehemann betrachtet sie als ihren Karrierewegbegleiter. Denn er ermöglicht es ihr, ihren Beruf als hocherfolgreiche Forscherin und ihre Rolle als Mutter von fünf Kindern unter einen Hut zu bringen.

Beim Women of TUM Talk am 7. Oktober 2020 berichtet sie Wissenschaftlerinnen, Alumnae und Studentinnen der TUM, wie Fruchtfliegen Entscheidungen treffen – und davon, wie wichtig Männer für weibliche Forscherkarrieren sind. „Veränderung ist nicht nur Frauensache. Wir müssen die Männer an Bord holen“, sagt sie.