Sport- und Tanzpädagogin Gertrude Krombholz

„Ich bin ein Bewegungsmensch“

TUM Alumna Gertrude Krombholz war eine Sportlehrerausbilderin der TUM, auf viele Sport- und Tanzgebiete spezialisiert, und wirkte bei drei Olympischen und 16 Paralympischen Spielen mit. Zur Förderung ihrer Leidenschaft stiftete sie der TUM einen Preis.

Dr. Gertrude Krombholz wurde 1933 im nordböhmischen Tetschen geboren und verlebte ihre Kindheit in Leitmeritz an der Elbe. Ihr Vater war promovierter Jurist, und wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte seine Tochter in seine Fußstapfen treten sollen. Glücklicherweise geriet sie aber ganz nach ihrer sportbegeisterten Mutter. Wäre doch andernfalls der Welt eine große Pionierin der Tanz- und Sportpädagogik verloren gegangen.

Schon mit zweieinhalb Jahren stand sie im Riesengebirge auf extra angefertigten Skiern und noch mit fünfundachtzig Jahren überreichte sie die Medaillen bei den Paralympischen Spielen in Pyeongchang. Bewegung ist der Lebensinhalt von Gertrude Krombholz. Ihr bewegtes Leben zeugt von einem unerschöpflichen Enthusiasmus und Einsatz für den Sport.

Leben für den Sport

Gertrude Krombholz studierte für das Lehramt an Gymnasien Sport an der Bayerischen Sportakademie sowie Chemie und Geographie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der damaligen Technischen Hochschule München (später TUM). Nach Abschluss ihres Staatsexamens unterrichtete sie zunächst am Gymnasium und wurde schon nach kurzer Zeit als Dozentin an die Bayerische Sportakademie nach Grünwald geholt. Mit gerade einmal dreißig Jahren wurde sie an der Akademie, nach den Olympischen Spielen 1972 integriert in die TUM, zur Leiterin der Sportphilologinnen-Ausbildung berufen. „Das war schon außergewöhnlich“, sagt sie nicht wenig stolz. „Ich bin eben ein Bewegungsmensch.“ Doch das verwundert nicht, denn man hatte mit ihr doch eine außergewöhnlich vielseitige und weit überobligatorisch engagierte Ausbildungsleiterin besetzt, die ihre Passion für den Sport, ihren Schwung und Elan auf alle Studierenden, ja auf ihr gesamtes Umfeld übertrug.

Ich war in über 40 Ländern und habe wunderbare Menschen getroffen. Ich hatte ein wunderschönes Berufsleben.

Mit Elan leitete Gertrude Krombholz an der TUM das Fachgebiet Gymnastik, Tanz, Musik und Bewegung und war ab 1973 zunächst Stellvertretende Leiterin und in den letzten Jahren bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1998 Leitende Akademische Direktorin der Sportlehrerausbildung. Ob Leichtathletik, Schwimmen, Tanz oder Skifahren, sie unterrichtete immer mit größter Leidenschaft. Wie selbstverständlich modernisierte sie die Ausbildung der Sportlehrerinnen, indem sie den Jazz Dance und Rock´n´Roll einführte. Nach wenigen Semestern waren ihre Kurse im Hochschulsport mit über 200 Studierenden übervoll. „Ich war ein Magnet“, sagt sie selbstbewusst.

Um sich zudem von ihren männlichen Kollegen gebührend abzuheben, absolvierte Gertrude Krombholz nebenbei auch noch die Ausbildung zur Tanzlehrerin. 1973 war sie dann die einzige Tanzlehrerin des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbands an einer deutschen Universität. Der TUM kam ihre Aufgeschlossenheit für Neues nur zugute: Seit 1976 ernten die hier von Gertrude Krombholz gegründeten Münchner Moriskentänzer internationalen Beifall. Die Moriska war ursprünglich ein maurischer Tanz mit vielen Kapriolen und Luftsprüngen, der sich im 15. Jahrhundert von Nordafrika über Südwesteuropa auch bis nach Deutschland verbreitete. Bis heute haben mehr als 200 Morisken, überwiegend Studierende und Alumni, die TUM bei über 500 Tanzauftritten im In- und Ausland repräsentiert.

Die Münchner Moriskentänzer der TUM bei einem Auftritt.

Sogar im schwedischen Königsschloss haben die Münchner Moriskentänzer der TUM ihre kunstvollen Luftsprünge schon dargeboten. Die regelmäßigen Auftritte in München, beim Stadtgründungsfest oder beim Münchner Trachten- und Schützenumzug, sind für Gertrude Krombholz’ Tanzgruppe Ehrensache. Auf diesem Bild fährt im Wagen TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann mit (Foto: Andreas Heddergott/TUM).

Enthusiasmus in Reinform und über alle Grenzen hinweg

Mit ihrer Fachkompetenz und ihrem Organisationstalent gab Gertrude Krombholz nicht nur an der TUM der Gymnastik und dem Tanz entscheidende Impulse, sondern prägte deren Stil auch international. Als ausgewiesene Expertin gestaltete sie mehrere Jahre als Chefhostess und Mitchoreografin die Feierlichkeiten der Olympischen Spiele. Für weitere dreizehn Jahre arbeitete sie für das „International Paralympic Committee (IPC)“ – als Vorsitzende des Rollstuhltanzsports (heute „Para Dance“), der von ihr selbst begründet und international etabliert wurde. Wer so tanzbegeistert ist wie Gertrude Krombholz, möchte keinen von der tänzerischen Bewegung ausgeschlossen sehen, möchte jeden mitreißen und fördern, weltweit. „Ich war mit Seminaren, Workshops und Tanzauftritten in über 40 Ländern und habe wunderbare Menschen getroffen“, sagt sie. „Ich hatte ein wunderschönes Berufsleben und ich bin dem Herrgott dankbar, dass ich das alles erleben durfte.“

Von Ruhestand kann nicht die Rede sein

Seit 1999 fördert Gertrude Krombholz mit dem nach ihr benannten Preis begabte Studierende an der TUM. Damit die Mittel zur jährlichen Verleihung stets gesichert sind, rief sie mit TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann auch gleich noch eine Stiftung ins Leben. Gertrude Krombholz macht eben keine halben Sachen. Das haben auch sehr schnell die Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenresidenz gemerkt, in der sie, am schönen Ammersee gelegen, seit 2006 nun ihren Lebensabend verbringt – und sich ganz gewiss nicht im Ruhestand befindet. Nachdem die rüstige und stets gut gelaunte Gertrude Krombholz keine Mitstreiter für die selbst gespurte Langlaufloipe fand, gründete sie kurzerhand eine Rollator-Tanzgruppe. „Wenn es Rollstuhltanz gibt, dann gibt es auch Rollatortanz!“, sagt sie voller Überzeugung.