TUM Ambassador Gerhard Schenk

„Ich möchte einen globalen Impact erzielen“

TUM Ambassador Gerhard Schenk ist ein passionierter Forscher und Netzwerker. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen an der TUM möchte der Experte für Enzyme die biobasierte Industrie der Zukunft ankurbeln.

Professor Dr. Gerhard Schenks Leben dreht sich um seine Frau und seine vier Kinder – und um Enzyme. Als Professor für Biochemie an der University of Queensland im australischen Brisbane erforscht er die wichtigen Katalysatoren für biochemische Reaktionen schon seit Jahren. Zu seiner Domäne zählen Enzyme, die Antibiotikaresistenzen hervorrufen, Pestizide abbauen oder hochwertige Chemikalien erzeugen können. Seine Arbeit hat damit eine beachtliche und breit gefächerte Strahlkraft sowohl im Bereich der Medizin und Medikamentenentwicklung als auch zugunsten von Umwelt und Klima.

Gerhard Schenk ist Forscher mit Leib und Seele. Und auch das Netzwerken liegt ihm im Blut. „Ich bin sehr stark daran interessiert, Kooperationen zu initiieren, die international und multidisziplinär sind“, sagt er. „Ich möchte einen globalen Impact erzielen.“ Ein langjähriger Partner für dieses Ziel ist die TUM. Als Erasmus-Gastprofessor war Gerhard Schenk schon mehrere Male hier. Eine ganze Reihe bedeutender Projekte bearbeitet er gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Und noch viele weitere sind geplant.

 

TUM Ambassador Gerhard Schenk mit Forschenden von TUM und UQ.

Zu ihrer gemeinsamen Forschungsdomäne der globalen Bioökonomie tauschen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von TUM und UQ regelmäßig in persönlichen Treffen aus. Das Bild zeigt die Delegation der TUM mit australischen Kollegen auf dem Campus der TUM (Bild: Privat).

Vom Sprachkurs zur Professur

Die Forscherkarriere von Gerhard Schenk und seine Leidenschaft für Enzyme nahmen ihren Ausgangspunkt in der Schweiz. 1992 sollte er im Rahmen der Diplomarbeit an der Universität Bern ein Enzym aus Milch extrahieren und dessen Eigenschaften erforschen. „Von da an war ich fasziniert von Enzymen“, erinnert er sich. „Enzyme, ihre Strukturen und ihre außerordentliche Effizienz als Katalysatoren wurden zu meiner großen Passion.“

Obwohl Gerhard Schenk eine Doktorandenstelle in seiner Heimat Schweiz erhalten hatte, entschloss er sich zu einem Englischkurs in seinem Sehnsuchtsland Australien. Mittlerweile ist er dort seit fast dreißig Jahren. Englisch spricht er nun fließend. Und seine Forschungen auf dem Gebiet der Enzymologie brachten ihm eine Professur an der School of Chemistry and Molecular Biosciences der University of Queensland ein. Die Universität in Australien ist eine der weltweit führenden Forschungs- und Lehrinstitutionen.

Hochaktuelle Forschung

Als sich Gerhard Schenk und TUM-Professor Dr. Volker Sieber im Jahr 2015 bei einem Symposium am Campus Weihenstephan trafen, etablierten sie sofort eine Zusammenarbeit. Denn beide Wissenschaftler haben das gleiche Ziel: Mit ihren Forschungen wollen sie die globale Bioökonomie ankurbeln. Das hochaktuelle Konzept der Bioökonomie will die Industrie von heute, die nach wie vor primär auf fossile Ressourcen setzt, zur sauberen Industrie der Zukunft machen, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert.

Unsere Forschungen ergänzen und fördern sich gegenseitig.

Ein biogener und damit nachwachsender Rohstoff ist beispielsweise Zucker (Zuckerrübe, Zuckerrohr). In der Zusammenarbeit mit Volker Sieber gelang es Gerhard Schenk, Enzyme derart zu optimieren, dass sie noch effizienter Zucker zu Biobenzin umwandeln können. Nachhaltig gewonnene Biokraftstoffe haben das Potential, die umweltschädlichen fossilen Kraftstoffe Diesel, Benzin und Erdgas auf lange Frist zu ersetzen und im Energiemix der Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen. „Unsere Forschungen auf diesem Gebiet ergänzen und fördern sich gegenseitig“, sagt Gerhard Schenk. „Davon profitieren auch die Doktoranden und Postdocs beider Universitäten. Das Projekt wird noch über Jahre hinweg weitergehen.“

Nachhaltige Allianz

Im Juni 2018 unterzeichneten Vertreter der TUM, UQ und der brasilianischen UNESP (Universidade Estadual Paulista) ein trilaterales Abkommen. Das Ziel des internationalen Universitätsnetzwerks ist es, neue Biotechnologien für eine sauberere und umweltfreundlichere Zukunft zu erforschen. Die Global Bioeconomy Alliance der drei Spitzenuniversitäten hat ihren Sitz am TUM-Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit.

Gerhard Schenk war von Anfang an maßgeblich am Aufbau des Netzwerks beteiligt. 2021 besiegelten TUM und UQ schließlich ihre vielseitige Zusammenarbeit in einer offiziellen Flagship-Partnerschaft. Gemeinsames Ziel der Flagship-Partner ist es, eine starke grenzüberschreitende Wissenschaftsbrücke zu schaffen, um gemeinsam Themen von großer gesellschaftlicher Bedeutung noch wirksamer begegnen zu können. TUM-Präsident Thomas F. Hofmann betont: „Es geht uns nicht nur darum, noch engere Bande zwischen unseren Universitäten zu knüpfen, sondern zukunftsfähige Innovationsfelder mit Breitenwirkung zu entwickeln. Dazu gehören gemeinsame Forschungsprojekte genauso wie Austauschprogramme für Studierende und Förderprogramme für Entrepreneure.“

2020 wurde Gerhard Schenk für seine wissenschaftlichen Leistungen und sein Engagement in Sachen Netzwerk von Präsident Hofmann zum TUM Ambassador ernannt. „Diese Auszeichnung ist eine sehr große Ehre für mich“, sagt Gerhard Schenk. „Der Titel gehört aber dem gesamten Team, das die Partnerschaft zwischen TUM und UQ aufgebaut hat.“