Gründer Georg Schroth

„Ich will für Probleme konkrete Lösungen finden“

TUM Alumnus Georg Schroth ist Mitgründer und Geschäftsführer des Start-up NavVis. Die innovative Technik ermöglicht virtuelle Rundgänge durch Flughäfen und Museen.

Schon früh war für Dr. Georg Schroth klar, dass er wie sein Vater Ingenieurwesen studieren möchte. „Damit stand von Anfang an auch fest, dass ich an der TUM studieren wollte. Es ist ja eine fantastische Universität“, so Schroth. 2003 begann er hier sein Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik. 2007 erhielt Georg Schroth die Möglichkeit, als Gaststudent an der Stanford University zu forschen. Im GPS Lab der privaten US-amerikanischen Universität kam ihm die Idee, ein digitales Navigations- und Orientierungssystem für Innenräume zu entwickeln. „Ich bin immer schon ein Mensch gewesen, der die Dinge nicht nur theoretisch erforschen, sondern für Probleme konkrete Lösungen finden wollte“, so Georg Schroth zu seinem im Silicon Valley geborenen Vorhaben, das ihn seither antreibt. Was es für den Außenraum schon längst gab, wollte er für das Innere großer, oft unübersichtlicher Gebäude entwickeln. Statt durch lokale Hinweisschilder wollte er die Besucher von Flughäfen, Krankenhäusern oder Einkaufszentren mithilfe wirklichkeitsgetreuer 3D-Bilder via Smartphone an ihren Zielort leiten.

Perfekter Nährboden für Gründer

Zurück an der TUM schloss Georg Schroth sein Studium ab und rief 2009 mit TUM-Professor Eckehard Steinbach am Lehrstuhl für Medientechnik sein ambitioniertes Forschungsprojekt ins Leben. „Er hat das Potential meines Vorhabens erkannt“, so Georg Schroth zum Vertrauensvorschuss seines Doktorvaters. „Er hat mir die Möglichkeit gegeben, auf eigenes Risiko und ohne die normalerweise vorausgesetzten Drittmittel an diesem Thema zu arbeiten.“

Schon nach kurzer Zeit konnte Georg Schroth bahnbrechende Ergebnisse für eine mobile, visuelle Orts- und Orientierungsbestimmung vorweisen. 2011 erhielt er eine Finanzierung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Hierdurch war es ihm möglich, gemeinsam mit seinen Mitgründern TUM Alumnus Robert Huitl (Diplom Informationstechnik 2010) und TUM Alumnus Sebastian Hilsenbeck (Diplom Elektrotechnik und Informationstechnik 2011) sein erstes eigenes Team ins Leben zu rufen. „Von Anfang an haben wir eine gemeinsame Vision verfolgt, uns gegenseitig inspiriert und motiviert“, so Georg Schroth. Genau das seien die Grundvoraussetzungen zum Gründen und sein Rat an die junge Generation. „Man sollte nicht um des Gründens willen gründen. Der Lifestyle-Gedanke ist der falsche Berater. Es muss etwas sein, woran man wirklich glaubt. Dann kann das Gründen eines Unternehmens und eines Teams der richtige Weg sein, um dieses Ziel zu erreichen.“

Von Anfang an haben wir eine gemeinsame Vision verfolgt.

Bei Georg Schroth und seinem Team war die Unternehmensgründung der richtige Weg. Seine Alma Mater hat hierfür den perfekten Nährboden geliefert. Motor und Bestätigung war insbesondere der TUM IdeAward, den das junge Team 2012 gewann. Der Preis soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler motivieren, aus ihren Erfindungen marktfähige Produkte zu entwickeln. Die Siegerteams erhalten ein Preisgeld sowie Gründercoachings. „Der Preis hatte für uns gleich mehrere positive Effekte“, so Georg Schroth. „Das Preisgeld diente als unser Startkapital und wir hatten Rückenwind durch eine erstklassige Experten-Jury.“

Ein knappes Jahr darauf folgte die Ausgründung des Start-ups NavVis. Jury-Mitglied und McKinsey-Direktor Lothar Stein wurde einer der ersten großen Investoren. Und Juror und TUM-Professor Fritz Frenkler unterstützte das Team tatkräftig in Sachen Design. So entstanden mit ihm und dem Lehrstuhl für Industriedesign etwa das Corporate Design des Unternehmens und die Prototypen für die patentierten Trolleys, mit denen Innenräume gescannt und fotografiert werden. „Allein die Entwicklung hin zu unserem ersten Trolley-Prototyp hat viele Jahre Forschung und Entwicklung erfordert. Nur an einer großen technischen Universität und dank der eingeholten Fördermittel konnte so ein ambitioniertes Vorhaben umgesetzt werden“, so Georg Schroth.

Virtueller Rundgang durchs Museum

Mit einem wegweisenden Projekt haben die Gründer 2014 ihre innovative Technik der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie hatten die Schifffahrt-Abteilung des Deutschen Museums erstmals vollständig digitalisiert und in 3D erfasst. Besucher aus aller Welt können seither die Ausstellung am heimischen PC, am Tablet oder via Smartphone erkunden. Über eine eingebettete Karte und eine Ausstellungsübersicht können sie zu Exponaten navigieren und über Bild-, Text- und Tondateien interaktiv Zusatzinformationen abrufen. „Es war schon eine besondere Ehre, dass wir unsere Technologie zusammen mit einem der wichtigsten Technikmuseen der Welt zum ersten Mal vorstellen konnten“, so Georg Schroth zu der Zusammenarbeit mit dem Forschungskooperationspartner der TUM. „Für uns war das eine hervorragende Gelegenheit zu zeigen, wie hochqualitativ und gleichzeitig effizient die Kartierung und Digitalisierung von komplexen Innenräumen mit unserer Technik möglich ist.“

TUM Vizepräsident Thomas Hofmann, Dr. Georg Schroth, Sebastian Hilsenbeck und Robert Huitl.

TUM Vizepräsident Thomas Hofmann (li.) überreicht den Presidential Entrepreneurship Award 2018 an das Gründerteam von NavVis, (v. l.) Dr. Georg Schroth, Sebastian Hilsenbeck und Robert Huitl (Foto: Uli Benz/TUM).

Hightech-Erfolg jenseits des Silicon Valley

Gerade fünf Jahre sind seither vergangen. Das TUM Spin-off hat mittlerweile 150 Mitarbeitende und 2018 Dependancen in New York und Shanghai eröffnet. Mittlerweile beliefern Georg Schroth und seine Mitstreiter Großkunden in China, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2018 wurde NavVis mit dem TUM Presidential Entrepreneurship Award als herausragendes Spin-off geehrt.

„Wir haben einen guten technischen Vorsprung, den wollen wir nutzen. Wir behalten unsere Unternehmensstrategie bei und bleiben uns treu“, sagt Georg Schroth. Mit München als Hauptsitz des Unternehmens ist Georg Schroth glücklich. Nicht nur die unmittelbare Nähe zur Industrie, sondern auch diejenige zu seiner Alma Mater seien hierfür ausschlaggebend. „Es gibt an der TUM genauso viele schlaue Leute wie im Silicon Valley. Unser Team aus TUM Alumni kann hier locker mithalten kann.“