TUM Ehrensenator und Universitätsstifter Gallus Rehm

„Ich bin der TUM aus Überzeugung dankbar“

Mit ungebrochener Neugier und Faszination widmete TUM Alumnus Gallus Rehm sein Leben der Bauingenieurskunst. Mit seinen innovativen Ideen hat er prominent zum Ansehen seiner Alma Mater beigetragen. Nun wurde er auch mit einem Päpstlichen Orden geehrt.

Als Professor Dr. Gallus Rehm im Jahr 1947 das Studium des Bauingenieurwesens an der TUM aufnahm, waren deren Gebäude noch großteils kriegszerstört oder in sehr schlechtem Zustand. Das technische Equipment am Institut für Massivbau war veraltet oder gar nicht erst vorhanden. Gallus Rehm betrachtete diese Ausgangssituation nicht als Hemmnis, sondern als Chance. „Nach dem Krieg hatte ich das große Glück, neu anfangen zu können“, erinnert er sich. „Dadurch war ich auf vielen Gebieten der Erste und Einzige.“

Faszination für neue Wege

Gallus Rehms großer Lehrmeister an der TUM war Professor Hubert Rüsch, der damalige Inhaber des Lehrstuhls für Massivbau. Er war ein passionierter Verfechter neuer Ideen für Forschungsziele und Lehrmethoden, die für die Ausbildung junger Ingenieure und den Wiederaufbau des Landes von Nutzen sein sollten. Als Student, Hilfsassistent und vierzehn Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter wurde Gallus Rehm von seinem Mentor mit der Lösung neuartiger bautechnischer Probleme und ingenieurwissenschaftlicher Herausforderungen betraut.

An der TUM habe ich das Fundament für meine gesamte wissenschaftliche und praktische Tätigkeit erhalten.

Als Vorreiter in der Erforschung der Korrosionseigenschaften von Verbundwerkstoffen und in der Entwicklung unkonventioneller Baukonstruktionen konnte sich Gallus Rehm schon früh einen Namen machen und galt rasch als ausgewiesener Experte. „Professor Rüsch hat mich hierbei fachlich und menschlich geprägt“, sagt Gallus Rehm. „An der TUM habe ich das Fundament für meine gesamte wissenschaftliche und praktische Tätigkeit erhalten. Dafür bin ich aus Überzeugung dankbar.“

Mut für riskante Ideen

Zeitlebens bewahrte sich Gallus Rehm seine Neugier und seine Faszination für die Baustoffkunde gleichermaßen wie für die praktische Ingenieurstätigkeit. Mutig und auch gegen allen Widerstand beschritt er neue Pfade. Die Fachwelt konnte er durch sein Kommunikationsgeschick auch von riskanten Lösungen überzeugen. Das Ingenieurbüro Obermeyer entwickelte das zukunftsweisende Verkehrsbauwerk Karlsplatz-Stachus im Zentrum Münchens. Gallus Rehms Beitrag war eine wirtschaftlich herstellbare und sicher einbringbare Bewehrung. Diese verhalf zum Durchbruch der dabei erstmals eingesetzten Deckelbauweise, dem Bauen von oben nach unten.

Porträtfoto von Wolfgang A. Herrmann und Gallus Rehm.

2018 wurde Gallus Rehm durch den damaligen TUM-Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann die Ehrensenatorwürde der TUM verliehen, weil er mit seinen herausragenden wissenschaftlichen, technischen und unternehmerischen Leistungen zum Ansehen seiner Alma Mater prominent beigetragen hat (Foto: Uli Benz/TUM).

Auch zur schwierigen Sanierung der Stadtpfarr- und Kollegiatstiftskirche St. Martin und Kastulus in Landshut rief man Gallus Rehm hinzu. Die Kirche zählt zu den bedeutendsten Monumentalbauten der Gotik in Süddeutschland, ihr Turm ist mit 130,1 Metern der höchste Backsteinturm der Welt. Mit Verhandlungsgeschick und Feingefühl schlichtete Gallus Rehm zunächst den hitzig entbrannten öffentlichen Streit ob der richtigen Herangehensweise an dieses brisante Projekt. Mit seinen innovativen, gleichwohl riskanten Ideen zum Einsatz von Stahlbetonfertigteilen konnte Gallus Rehm überzeugen und erhielt den Auftrag zur Gesamtsanierung. Nun sind die Fundamente der Kirche wieder stabil, der höchste Kirchturm Bayerns nicht mehr wacklig.

Bei manchen ist Gallus Rehms gewagte Maßnahme noch heute umstritten. Anderen gilt sie als ingenieurtechnische Meisterleistung, für die er 2019 von Reinhard Kardinal Marx mit dem Päpstlichen Orden „Benemerenti“ ausgezeichnet wurde. „Natürlich freut mich diese späte Anerkennung“, sagt Gallus Rehm. „Aber im Wohnzimmer habe ich den Orden nicht aufgehängt.“

Überzeugter Einsatz für die Mitmenschen

Gallus Rehm ist ein Macher, nicht einer, der nach Anerkennung heischt und sich gerne mit den Auszeichnungen für seine bedeutenden Verdienste schmückt. Wie sein beruflicher Erfolg auf einer grundlegenden Faszination für sein Gebiet gründet, so basiert sein anhaltendes ehrenamtliches und mäzenatisches Engagement auf der tiefen Überzeugung, sich für seine Mitmenschen einsetzen zu wollen. Trotz erheblicher Arbeitsbelastung setzte sich Gallus Rehm, in den Kriegswirren einst selbst aus Ungarn vertrieben, jahrzehntelang in der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn für Aussöhnung und Völkerverständigung ein. Ganz ohne politischen Druck gelang ihm dies durch sein Kommunikationsgeschick, eine von vielen Fähigkeiten, die er von seinem Mentor Hubert Rüsch schon an der TUM lernte.

Es wundert nicht, dass Gallus Rehm sich seit Jahren ebenso überzeugt für seine Alma Mater engagiert. „Vierzehn Jahre an der TUM binden und verbinden selbstverständlich“, beteuert er. „Ich fühle mich hier noch heute sehr wohl und habe mit vielen Kollegen immer noch freundschaftlichen Kontakt.“ Als 2010 die gemeinnützige TUM Universitätsstiftung ins Leben gerufen wurde, um mit heute über 50 Millionen Euro Stiftungskapital die besten Talente zu fördern, gesellschaftlich relevante Forschungsthemen voranzubringen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu fördern, war Gallus Rehm unter den Gründungsstiftern. In die Bildung junger Menschen investiert er zudem als privater Spender der Deutschlandstipendien der TUM.

2018 wurde ihm für seine Leistungen und sein Engagement die höchste Ehrung für verdiente Alumni der TUM zuteil: Die Ernennung zum Ehrensenator. „Ich war ein Leben lang ein eifriger und begeisterter Arbeiter“, sagt Gallus Rehm. „Ich bedaure fast, so alt geworden zu sein, dass ich nun nicht mehr arbeiten kann. Aber ich trage es mit Haltung – endlich habe ich Zeit zum Lesen und Musik hören.“