Umweltschützerin Freia Jung-Klein

„Ich bleibe meiner Überzeugung treu“

Statt an Universitäten oder für Großkonzerne zu forschen, geht die promovierte Agrarwissenschaftlerin und TUM-Alumna Freia Jung-Klein in die Politik. Ihr Glaube und die Meditation geben ihr die nötige Kraft, um unbeirrt für Umweltschutz zu kämpfen.

Schon als Schülerin löcherte Freia Jung-Klein ihren Vater, einen Landwirt, mit Fragen zur Bodenfruchtbarkeit und zu alternativer Wertschöpfung. Der anfangs verdutzte Vater folgt den Vorschlägen der siebzehnjährigen Tochter, setzt auf dem heimischen Hof den eigenen Stallmist anstelle des teuer gekauften Mineraldüngers ein, reduziert das Milchvieh und entscheidet sich für eine Streuobstwiese statt das Land gewinnbringend zu verkaufen. „Im Handumdrehen hatte ich mit meinen Ideen den Hof umgekrempelt“, sagt Freia Jung-Klein heute.

Promotion an der TUM

Zum Abitur schreibt Freia Jung-Klein eine Facharbeit über mineralische Bestandteile der Böden ihrer Heimatgemeinde. Diese ist so professionell und fundiert ausgearbeitet, dass Freia Jung-Klein sie selbst „erst besser verstehen wollte“ und sich deshalb zum Studium der Agrarwissenschaften an der TUM in Weihenstephan entscheidet. Im Fachbereich Pflanzenproduktion legt sie 1984 mit einer Arbeit zum Nachweis von Pflanzenschutzmitteln in Böden und Gewässern ihr Diplom ab und kann das Thema, für das sie „Feuer und Flamme“ ist, am Lehrstuhl für Botanik zur Dissertation ausbauen.

Statt im Beruf bin ich menschlich und seelisch gewachsen.

Mit ihren umwelttoxikologischen Erkenntnissen hatte Jung-Klein absolutes Neuland in der agrarwissenschaftlichen Forschung betreten und bekam eine Postdoc-Stelle an der renommierten University of California. Dort stößt sie mit ihren damals schon besorgniserregenden Studien über Glyphosat beim Hersteller Monsanto auf taube Ohren. „Monsanto hat leider keinerlei Konsequenzen aus meiner Forschung gezogen, wodurch ja meine ganze wissenschaftliche Arbeit umsonst war.“

Freia Jung-Klein beschließt, dass eine Arbeit im Konzern für sie nicht in Frage kommt: „Ich wollte mich nicht verbiegen.“ Statt Karriere an der Uni oder in der freien Wirtschaft bei BASF zu machen, deren Türen der ambitionierten Agrarwissenschaftlerin durchaus weit offen gestanden hätten, entscheidet sie sich für Kinder und legt den Grundstein für ihre bis heute andauernde Arbeit als Umweltpädagogin.

Wie David gegen Goliath

Als 2009 die Grünen die Umweltexpertin für sich gewinnen, kommt Freia Jung-Klein „wie die Jungfrau zum Kinde“ und wurde gleich als Fraktionsvorsitzende in den Kreistag gewählt. Zwar kann sie hier ihren Visionen Raum geben, aber leicht ist der Weg nicht. „Das, was ich bei Monsanto in der Wirtschaft erfahren musste, erlebe ich nun direkt vor Ort in der Pfalz bei meiner politischen Arbeit: man kämpft gegen übermächtige Gegner und kann vor lauter Lobbyismus eigentlich nichts bewirken. Ich fühle mich manchmal wie David gegen Goliath.“

Aus ihrem Studium an der TUM hat Freia Jung-Klein auch Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit mitgenommen. „Die TUM hat mich nachhaltig geformt; mit Ausdauer, Beständigkeit und Selbstbewusstsein.“ Wennschon der versammelte Kreistag geschlossen den Sitzungssaal verlässt, ihr Wort gegen das des Landrats steht und dutzende Anwaltsschreiben mit Unterlassung drohen, die Grünen-Kommunalpolitikerin lässt sich weder das Wort noch ihre unangenehmen Fragen verbieten. „Wenn ich nicht nachbohren würde, würde vieles nicht an die Oberfläche kommen. Ich bin einfach so.“

Doch dass ihr unermüdlicher Einsatz für Umwelt, Natur- und Klimaschutz auch sehr viel Kraft kostet, vor allem emotional, muss sich Freia Jung-Klein bei aller Willensstärke und Überzeugung für die gute Sache immer wieder eingestehen. Was ihr dabei hilft, ist ihr fester Glaube daran, ihre Überzeugung davon, dass die Schöpfung bewahrt werden muss. Unbeirrt macht sich die Pfälzerin jeden Tag von neuem begeistert auf, den Menschen den Schutz der Natur schmackhaft machen.