Umweltaktivistin Franziska Weißörtel

„Ich warte nicht ab, sondern starte meine Projekte“

Stillstehen ist ihre Sache nicht: Franziska Weißörtel ist ein echtes Energiebündel. Seit ihrer Jugend begeistert sich die TUM-Masterstudentin für umwelttechnische Fragen. Dafür hat sie mehrere Nachhaltigkeitsprojekte in Afrika und Indien gestartet. 

Am Wasser ist Franziska Weißörtel voll in ihrem Element. Seit November 2017 lebt die TUM-Studentin und begeisterte Schwimmerin direkt am irischen Meer: Im idyllischen Badeort Bray, 40 Minuten südlich von Dublin. Dort hat die Expertin für nachhaltige Landwirtschaft und umwelttechnische Ressourcenschonung im vergangenen November eine Vollzeitstelle begonnen.

Den Job macht sie parallel zu ihrem anvisierten Masterabschluss in Umweltplanung und Ingenieurökologie wohlgemerkt. Ihr Studium möchte sie nämlich „noch in diesem Jahr“ abschließen, erklärt Franziska Weißörtel am Telefon, während sie sich gerade mitten im Umzugsstress befindet – und wieder einmal auf der Durchreise ist.

„Nicht abwarten, selber handeln!“ lautet ihre Devise

Zeitgleich wird sie weiterhin unendlich viele Ehrenamtsstunden in mehrere Nachhaltigkeitsprojekte investieren, die sie unter anderem mit ihrer Kommilitonin Monja Müller und vielen NGOs wie „Technik ohne Grenzen e.V.“ oder der „Better Family Foundation“ in den vergangenen Jahren in Kamerun und Indien ins Leben gerufen hat.

„Toranam“ heißt eines davon, was in der Landessprache so viel wie „Lebensbäume“ bedeutet. „Aus verschiedenen Umweltaspekten heraus betrachtet, ist in Indien natürlich enorm viel zu tun: Das liegt nicht nur an der hohen Bevölkerungszahl sowie der rapiden Industrialisierung des Landes, was zu wirklich extrem schlechter Luft geführt hat, sondern auch am deutlichen Unterschied zwischen Arm und Reich, der in Indien besonders augenscheinlich sind“, sagt Weißörtel.

Aktiv und daheim in der ganzen Welt

Und genau hier setzt das „Toranam“-Projekt an: Im Sinne nachhaltiger Entwicklung durch Agrarforstwirtschaft, Umweltbildung und grüne Energie will Franziska Weißörtel den teilnehmenden Kleinbauern, deren Lebensgrundlagen durch klimatische wie sozioökonomische Prozesse bedroht sind, konkret helfen. Dazu hat sie mit Monja Müller und einer indischen NGO in der südlichen Provinz Andhra Pradesh eine Demonstrationsfarm für ökologische Agrarforstwirtschaft aufgebaut. Zusammen mit einem angeschlossenen Bildungs- und Wirtschaftszentrum soll es den Farmen innerhalb von zwei Jahren möglich sein, selbstständig zu werden und faire Preise mit ihren ökologisch erzeugten Produkten erzielen zu können.

Kamerun-Aufenthalt war prägend

Zuvor engagierte sich die studierte Geografin bereits 2013 für ihr erstes Herzensprojekt drei Monate lang im Nordwesten Kameruns. „In Fundong habe ich Seminare zum Thema Wassermanagement gehalten. Parallel dazu haben wir neue Wasserleitungen gebaut, was auch dringend notwendig war“, erklärt Franziska Weißörtel als Umweltexpertin.

Vor Ort habe trotz Elends und vieler genereller Probleme eine wunderbare Atmosphäre geherrscht: „In Kamerun sind die Menschen unglaublich gastfreundlich. Ein elfjähriges Mädchen hat mich zum Beispiel jeden Tag aus dem Büro zum Essen zu sich nach Hause abgeholt, weil ihre Mama extra für uns gekocht hat“, erinnert sie sich.

Wirklich jeder kann aktiv zum Umweltschutz beitragen.

In Kamerun seien zwar manche Dinge generell schon besser geworden, betont die Weihenstephanerin, aber oft werde „immer noch wild drauflos improvisiert“, was sich vielerorts auch beim Umgang mit dem Thema Müll als besonders schwierig erweist. „So gut wie gar nichts wurde hier lange Zeit getrennt oder wiederverarbeitet: Das meiste wird einfach überall hingeschmissen: Das geht nicht!“, erläutert Franziska Weißörtel ihr persönliches Movens hinter diesem Projekt.

„Alles ist noch sehr ausbaufähig, wie auch bei unserem indischen Projekt“, mahnt die Wahl-Irin, aber insgesamt seien viele Dinge vor Ort in beiden Ländern schon deutlich besser geworden, was ihr weiterhin viel Mut macht. Es wird noch etwas Zeit brauchen, bis alles reibungslos (zusammen-)fließt, aber ein nachhaltiger Anfang ist in jedem Fall gemacht. Denn wirklich jeder kann aktiv mit dem Umweltschutz beginnen, ist Franziska Weißörtel überzeugt: Und zwar jederzeit!