Bürgermeister Franz Rasp

„Ich war ein absoluter Quereinsteiger“

Für Politik hatte sich TUM Alumnus und Bürgermeister Franz Rasp nie interessiert. Aber für die Menschen wollte er sich einsetzen. Im Studium hat der Bauingenieur Vieles gelernt, das ihm hilft, seine vielfältigen Aufgaben zu meistern.

Im Berchtesgadener Land wuchs Franz Rasp auf dem Bauernhof auf. Technik interessierte ihn schon immer. Als Kind baute er mit seinem Freund Baumhäuser und Staudämme. Der höchste Staudamm am nahegelegenen Bach war gut zwei Meter hoch, da war Franz Rasp elf Jahre alt. In der engeren Auswahl für das Studium standen Bauwesen und Maschinenbau. Franz Rasp entschied sich für das Bauingenieurwesen an der zum heimischen Hof nächstgelegenen TUM.

Den Horizont erweitern

Die Studienzeit an der TUM war ein völlig neuer Lebensabschnitt für Franz Rasp, der sich selbst als „Bauernkind“ bezeichnet. Aber die neue Situation, fern der Heimat, mit eigenem WG-Zimmer und neuem Freundeskreis brachte ihn voran und erweiterte seinen Horizont. Begeistert besuchte er die Seminare von TUM-Professor und Alumnus Dr. Albert Göttle (Diplom Bauingenieurwesen 1973) zum Wassermanagement und Ressourcenschutz. „Das Studium an der TUM hat mir die Augen für die Vielfältigkeit des Fachbereichs geöffnet“, erklärt er. „Meine Berufung habe ich in der Wasserwirtschaft gefunden.“

Nach dem Studienabschluss im Jahr 1998 absolvierte Franz Rasp sein Referendariat für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst in der Bayerischen Wasserwirtschaft. In den Jahren von 2000 bis 2005 war er als Projektleiter und dann Leiter der Bauabteilung am Wasserwirtschaftsamt Rosenheim tätig, danach wechselte er an das Wasserwirtschaftsamt Traunstein.

Als Quereinsteiger an die Spitze

Mit Verve und Engagement setzte sich Franz Rasp für alle Belange rund um das Wasser in seiner oberbayerischen Heimat ein: für die Sicherung der Trinkwasservorräte, eine verantwortungsvolle Nutzung des Wassers und die Pflege und Entwicklung der vielen Bäche, Flüsse und Seen. An Politik dachte Franz Rasp dabei nicht. Als ihn sein Nachbar, der damalige zweite Bürgermeister von Berchtesgaden, fragte, ob er sich für seine Gemeinde nicht auch bei diesen Belangen engagieren wolle, trat Franz Rasp kurzerhand der CSU bei und wurde 2002 prompt zum Gemeinderat gewählt.

Bürgermeister ist einer der anspruchsvollsten, aber auch schönsten Berufe.

Mit seinen neuen kommunalen Aufgaben, wie dem Einsatz für die Menschen, die Mitgestaltung der Gesellschaft und die Bewahrung der Kultur und Natur in seiner Region, wurde Franz Rasp zunehmend bewusst, dass dies genau das ist, was er tatsächlich in seinem Leben machen möchte. 2008 wurde er zum Bürgermeister von Berchtesgaden gewählt. Seither setzt er sich mit voller Überzeugung für die knapp achttausend Einwohner der südostbayerischen Marktgemeinde ein. „Der beste Job dafür ist auf lokaler Ebene der des Bürgermeisters“, sagt er. „Es ist einer der anspruchsvollsten, aber auch schönsten Berufe, die man in Bayern ausüben kann.“

Obwohl er als Quereinsteiger amtiert, fühlt sich Franz Rasp durch seine Ausbildung zum Bauingenieur für seine vielfältigen Aufgaben solide vorbereitet. Langfristiges Planen, vorausschauendes Denken und das geschickte Verhandeln mit verschiedenen Interessensvertretern sind Fähigkeiten, die in der Ingenieurswissenschaft wie auch in der Politik  gefragt sind.

Einmalige Verbindung von Wissenschaft und Naturschutz

Es ist Franz Rasps oberstes Ziel, für die hohe Lebensqualität aller zu sorgen. Zu einem wesentlichen Teil trägt hierzu im Naturraum Berchtesgaden die unberührte Natur, die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt bei. Im Juli 2019 eröffnete dort die neue Forschungs- und Lehrstation der TUM. Hier sollen vor allem Schülerinnen und Schüler für die Naturforschung begeistert sowie Ökosystemforschung betrieben und neue Lehrmethoden erprobt werden.

Franz Rasp begrüßt die in Holzbauweise errichtete Forschungsstation mit autarker Versorgung. „Die Station ist eine großartige Bereicherung für Berchtesgaden“, erklärt er. „Dass Schülerinnen und Schüler dort mit dem innovativen pädagogischen Konzept ihr naturwissenschaftliches Wissen nicht nur aus Büchern lernen, sondern aus der unmittelbaren Naturbeobachtung beziehen sollen, finde ich besonders gut.“