TUM Emeritus of Excellence Franz Mayinger

„Ich hatte große Freiheit in meiner Forschung“

An der TUM wurde Franz Mayinger zum Spezialisten für Thermofluiddynamik ausgebildet. Als hoch geschätzter Experte unter anderem für Reaktorgestaltung und -sicherheit war er in Industrie, Forschung sowie als Vorsitzender der Störfallkommission des Bundes tätig.

Als Abiturient hätte sich Prof. Dr. Franz Mayinger nicht träumen lassen, dass er fast zeitlebens als Hochschulprofessor in der Forschung und Lehre tätig sein würde. „Eigentlich wollte ich Physiker werden“, sagt er. „Dieses Berufsbild war aber damals in meinen Augen mit dem von mir wenig geliebten Lehramt an Gymnasien verbunden und die Möglichkeiten des heutigen Physikstudiums waren mir unbekannt.“ So entschied er sich für das Studium des Maschinenwesens an der von seiner Heimatstadt Augsburg nicht allzu weit entfernten TUM. 1955 schloss er hier sein Studium ab, 1961 folgte die Promotion am Lehrstuhl für Thermodynamik.

Pragmatischer Zeitplan

Schon während des Studiums und der Promotionszeit zeichnete sich die Karriere von Franz Mayinger als einem der profiliertesten Köpfe des deutschen Ingenieurwesens ab. Noch als Student wirkte er bei einem Turbinenbau an der TUM mit. Als Doktorand wurde er im Büro seines Professors für einen Führungsposten bei MAN in Nürnberg besetzt. Auch wenn seine Wissenschaftskarriere schnell Fahrt aufnahm, geplant hatte er weder seine Forschungsschwerpunkte noch seine anschließenden beruflichen Stationen. „Meine Laufbahn war eine Kette von Zufällen“, konstatiert er. „Das Einzige, was ich mir von Anfang an vorgenommen hatte, war, alle sieben bis zehn Jahre den Wohnort zu wechseln.“ Denn drohende Routine war nichts für den jungen Forscher. Als er dann Ende der sechziger Jahre einen Ruf an den neu geschaffenen Lehrstuhl für Verfahrenstechnik der Universität Hannover erhielt, nahm er diesen kurzerhand an – nach sieben Jahren war die Zeit schließlich ohnehin reif für einen Ortswechsel.

Beruf aus Leidenschaft

War Franz Mayingers Entscheidung für die Hochschule zunächst seinem pragmatischen Plan eines turnusmäßigen Ortswechsels geschuldet, änderte sich dies rasch. Er erkannte, dass er nun im Gegensatz zur Industrie nicht nur endlich machen konnte, was er wollte, sondern dass seine akademischen Aufgabenfelder ihn zu seiner großen Leidenschaft, der Physik, zurückführten. Kaum wurde damals die Lastertechnik eingeführt, setzte sie Franz Mayinger schon ein und entwickelte eigene optische Messverfahren.

An der TUM hatte ich die große Freiheit in meiner Forschung.

Aufgrund seiner Leistungen in Hannover wurde Franz Mayinger von Unternehmen und Universitäten regelrecht umworben, lehnte aber alle Angebote ab. Doch den Ruf aus München an seine Alma Mater nahm er 1981 an. „Dieses Angebot hatte einen gewissen Reiz“, schmunzelt er. „Dass der Lehrling in seine alte Werkstatt zurückkehren konnte, gefiel mir.“ Achtzehn Jahre lang bis zu seiner Emeritierung 1999 leitete Franz Mayinger den Lehrstuhl für Thermodynamik der TUM. „Ich hatte die große Freiheit in meiner Forschung“, erinnert er sich.

Mit unstillbarem Wissensdurst und großer Begeisterung forschte Franz Mayinger an der TUM auf den Gebieten der Thermofluiddynamik, der Verbrennungstechnik, der Stoffwerte und Wärmeübertragungsphänomene vor allem im Zusammenhang mit mehrphasigen Strömungen, wie sie in Reaktoren und verfahrenstechnischen Apparaten vorkommen. Mit seinem Team baute er den Lehrstuhl für Thermodynamik konsequent aus und erlangte schnell internationales Renommee.

Höchste Standards für die Nuklearreaktorsicherheit

Neben seiner Forschungstätigkeit war Franz Mayinger auch in vielen Gremien aktiv, so über zwei Jahrzehnte als Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission beim Bundesminister des Inneren und später beim Bundesminister für Umwelt. In den Jahren 1983, 1984 und 1990 hatte er dabei auch den Vorsitz inne. Darüber hinaus war er von 1992 bis 1995 Vorsitzender der Störfallkommission des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Mit seinem Doktorvater, TUM-Professor und Thermodynamik-Pionier Ernst Schmidt, und TUM-Professor Ulrich Grigull zählt Franz Mayinger zu den einzigen drei deutschen Forschern, die mit dem renommierten Max Jakob Memorial Award ausgezeichnet wurden. 1991 erhielt er die begehrte Auszeichnung für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der holografischen Interferometrie und des Mehrphasenflusses sowie für seine visionäre Führungsrolle bei der Etablierung höchster Sicherheitsstandards für die Nuklearreaktorsicherheit. „Ich habe ja nur mit Neugierde meiner Arbeit nachgehen wollen“, sagt er bescheiden. „Ich muss offen gestehen, ich habe meine Arbeit nie als Beruf gesehen, sondern als Hobby.“