Universitätsstifter Daniel Tomic

„An der TUM erfuhr ich, was deutsche Ingenieurskunst wirklich bedeutet“

Im Jahr der globalen Wirtschaftskrise schloss Daniel Tomic seine Promotion an der TUM ab. Da die Firma seines Vaters am Scheideweg stand, stieg er anders als geplant als Geschäftsführer ein. Seitdem wächst das Unternehmen jedes Jahr zweistellig.

Daniel Tomic ist eigentlich Techniker, kein Ökonom. Schon in frühester Kindheit zeigte sich sein großes Interesse am Maschinenbau und allem, was Automobile betraf. „Ich war ein Bastler, schon als Vorschulkind“, sagt Daniel Tomic selbst. „Ob ich nun ein gelernter Mechaniker oder letztendlich ein promovierter Ingenieur werden würde, war zunächst einmal zweitrangig.“ Durch die Unterstützung seiner Eltern wurde ihm allerdings ein Studium an der TUM ermöglicht und er schrieb sich für das Fach Maschinenwesen ein.

Sein Vater, der im Jahr 1971 aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gekommen war, ist ihm seit jeher ein großes Vorbild. Als Nicht-Akademiker hatte er primär durch Fleiß und mit einem guten unternehmerischen Gespür beruflich sehr viel erreicht und ein eigenes Unternehmen mit Kernkompetenz im industriellen Anlagenbau aufgebaut. „Von ihm habe ich gelernt, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und man es auch als Immigrant in Deutschland beruflich und unternehmerisch sehr weit bringen kann, so lange man an sich selbst glaubt und konsequent seine Ziele verfolgt“, so Daniel Tomic.

Promotion am Lehrstuhl von Professor Höhn

Nachdem er sein Diplom in der Tasche hatte, erhielt Daniel Tomic die Chance, an der TUM zu promovieren. „Ich erinnere mich an das Bewerbungsgespräch bei meinem Doktorvater Professor  Bernd-Robert Höhn, dessen Vorlesungen ich schon in meiner Vordiplomzeit sehr geschätzt habe.“ Er sei sehr aufgeregt gewesen, aber Professor Höhn habe ihm sofort ein gutes Gefühl gegeben und ihm vermittelt, dass die Tätigkeit an seinem Lehrstuhl alles andere als ausschließlich abstrakt und rein theoretisch sein würde. „Er selbst war lange in der Entwicklung von Fahrzeuggetrieben bei einem großen deutschen Automobilhersteller in leitender Funktion tätig und hat diese Praxiserfahrung in seinen Vorlesungen immer sehr gut in einen Zusammenhang mit der Theorie gebracht“, erinnert sich Daniel Tomic. Vor allem der enge Austausch mit der Industrie und das häufige Präsentieren vor Entscheidern aus großen Unternehmen während der Promotionszeit hätten ihn weiter gebracht. „Davon profitiere ich heute in meinem Tagesgeschäft immer noch.“

Jobeinstieg während Weltwirtschaftskrise

Seine Arbeit an der TUM beendete Daniel Tomic mit der Abgabe seiner Dissertation Ende 2008. Es war das Jahr, in dem die globale Wirtschafts- und Finanzkrise mit der Pleite der großen Investment-Bank Lehman Brothers eingeleitet wurde. Eigentlich wollte Daniel Tomic nach seiner Promotion erstmal in einen großen Konzern oder eine andere Firma gehen. „Aber durch die Ungewissheit beziehungsweise durch die fast zügellosen Panik in der Weltwirtschaft, stand auch das Unternehmen meines Vaters an einem Scheideweg und gerade bei den Mitarbeitern war eine gewisse Unsicherheit zu spüren“, berichtet Daniel Tomic. „Ich habe mit meinem Vater ausgiebige Gespräche geführt und wir wollten gemeinsam ein Zeichen setzen, indem ich gleich nach meiner Promotion ins Unternehmen eingestiegen bin, um mit anzupacken.“

Die TUM begleitet mich seit fast 20 Jahren in meiner professionellen Karriere. Das zahlt sich heute aus.

Aus heutiger Sicht die absolut richtige Entscheidung, denn das Unternehmen kam gestärkt aus der Krise heraus und ist seitdem jedes Jahr zweistellig gewachsen. 2018 konnte die Tomic Group das beste Jahr der über 42-jährigen Unternehmensgeschichte verbuchen. Doch der Einstieg im elterlichen Unternehmen brachte für Daniel Tomic auch Herausforderungen mit sich: „Ich musste mich auf eine gänzlich neue Art des Arbeitens einstellen. Es ging nunmehr nicht nur um Technik, sondern vor allem um KPIs, Finanzthemen wie Cash-Flow, Liquidität, Supply Chain Management und Kostenoptimierung. Ich merkte sehr schnell, dass ich da doch einige Defizite hatte.“

Berufsbegleitender MBA an der TUM

Als es wirtschaftlich wieder stabil bergauf ging und Daniel Tomic geschäftlich etwas mehr Freiraum hatte, entschied er sich, durch ein berufsbegleitendes Studium an der TUM seine BWL-Kenntnisse zu verbessern und schrieb sich für den Executive MBA ein. Ihn überzeugte vor allem die Partnerschaft der TUM mit der renommierten Tshingua-Universität in Peking. „Die Präsenzzeit in China hat sich für mich besonders gelohnt“, so Daniel Tomic. „Unser Unternehmen hatte kurz vorher ein erstes Projekt in China und ich konnte erleben, wie der Markt dort funktioniert sowie welchen Einfluss die chinesische Kultur auf die Geschäftswelt hat.“

Den Erfolg des Familienunternehmens in den letzten Jahren rechnet Daniel Tomic daher unter anderem auch zu einem gewissen Teil seiner Ausbildung an der TUM an. „Die TUM begleitet mich seit über 20 Jahren in meiner professionellen Karriere. In meinem Studium an der Fakultät Maschinenwesen erfuhr ich, was deutsche Ingenieurskunst wirklich bedeutet. Mit dem EMBA habe ich mir das Rüstzeug eines modernen Managers angelegt. Das zahlt sich heute aus.“ Im Jahr 2016 hat er sich entschlossen seiner Alma Mater zum Dank für seine gute Ausbildung etwas zurückzugeben. Mit Überzeugung unterstützt er seitdem die TUM Universitätsstiftung und ist seit 2017 auch Kuratoriumsmitglied im Bund der Freunde der TUM. „Als Stifter möchte ich zukünftige Forschungsprojekte und junge Talente fördern“, sagt Daniel Tomic.

Nach zehn Jahren des operativen Engagements im Familienunternehmen hat Daniel Tomic zum Januar 2019 den Geschäftsführerposten verlassen und im Beirat den Vorsitz eingenommen. Seinen dadurch entstandenen neuen Freiraum will er nun nutzen, um als Partner in eine Unternehmensberatung einzusteigen. „Es ist keines der weltbekannten Beratungshäuser. Ich wollte gezielt in eine Beratung gehen, die spezialisiert ist auf den Mittelstand, dem Rückgrat der Deutschen Wirtschaft, auch um andere mittelständische Unternehmer mit meinen persönlichen Erfahrungen zu unterstützen“, erzählt Daniel Tomic. Sein Ziel ist aber auch, den dort gewonnenen Erfahrungsschatz früher oder später wieder in die eigene Unternehmensgruppe zurück zu tragen und damit deren Zukunft für die nächste Generation zu sichern. „Für 2019 wünsche ich mir vor allem viele neue Kontakte und ein paar interessante Projekte und Perspektiven“, sagt Daniel Tomic.