Verhaltensökonomin Christina Strobel

„Ich bin die erste Doktorin in meiner Familie“

Eine Karriere im akademischen Bereich war für TUM Alumna Christina Strobel ursprünglich nicht interessant. An der TUM wollte sie nur ihre BWL-Ausbildung vertiefen. Doch dann entdeckte sie die experimentelle Wirtschaftsforschung für sich.

„Meine Familie hatte ein mittelständisches metallverarbeitendes Unternehmen. Daher bin ich seit Kindesbeinen vertraut mit dem Geruch von frischen Metallspänen, Öl und Kühlwasser“, erklärt Christina Strobel ihr lebenslanges Interesse an ökonomischen und technischen Fragestellungen. Nach einem wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zog es sie deshalb nach München.

Das einzigartige TUM-WITEC Modell, das eine Management-Ausbildung mit einer technischen Vertiefung kombiniert, ermöglichte es ihr, ihren vielfältigen Interessen nachzugehen. „Meine Erfahrungen aus der Mitarbeit im Familienbetrieb zu erweitern, empfand ich als echte Bereicherung“, sagt sie, „Auch die Interdisziplinarität im Studium habe ich besonders geliebt. Von den unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Herangehensweisen profitiere ich bis heute und greife auch in meiner Forschungsarbeit häufig darauf zurück.“

Neugierde und Sitzfleisch

Im Rahmen ihrer Vorlesungen an der TUM stieß Christina Strobel auf den Bereich der experimentellen Wirtschaftsforschung und war sofort beeindruckt von der Möglichkeit, menschliches Verhalten systematisch zu untersuchen. Sie verbrachte viel Zeit damit, sich in experimentalökonomische Literatur einzulesen. Doch die graue Theorie reichte ihr schon bald nicht mehr. In Christina Strobel wuchs der Wunsch, solche Forschungsprojekte einmal selbst durchzuführen.

Parallel zum Studium begann sie daher als wissenschaftliche Hilfskraft im exprimentTUM, dem Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung der TUM zu arbeiten. Dort programmierte sie ökonomische Experimente und führte diese auch durch. Auf diese prägende Zeit blickt sie gerne zurück: „Ich konnte mir das Handwerkszeug einer experimentellen Ökonomin aneignen und bekam einen ersten Einblick in die Welt der verhaltensökonomischen Forschung. Ich war so fasziniert, dass ich in diesem Bereich auch meine Masterarbeit schrieb.“

Zu diesem Zeitpunkt spielte Christina Strobel bereits mit dem Gedanken, sich auf eine Promotionsstelle zu bewerben. Keine leichte Entscheidung, denn in ihrer Familie hatte bislang niemand eine akademische Karriere eingeschlagen. Den Ausschlag gab dann ein alter Klassenlehrer. „Er meinte einmal, der Schlüssel zum Erfolg beim Verfassen einer Doktorarbeit liege im Sitzfleisch und der Fähigkeit, sich eine gewisse Zeit auf eine Sache konzentrieren zu können. Diese Bemerkung blieb mir über Jahre in Erinnerung und so machte ich mich nach meinem Master auf den Weg, die erste Doktorin meiner Familie zu werden.“

Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit

2015 begann Christina Strobel ihre Promotion an der International Max Planck Research School on Adapting Behavior in a Fundamentally Uncertain World in Kooperation mit der Friedrich-Schiller Universität Jena.

Während sich die Forschung in der Verhaltensökonomie bisher hauptsächlich mit Mensch-Mensch Interaktionen befasst hatte, wollte Christina Strobel das menschliche Verhalten in Interaktionen mit automatisierten Systemen und Computern untersuchen. Ihr Ziel war es, einen ersten Beitrag zu diesem aufkommenden, interdisziplinären Forschungsbereich zu leisten. „Dafür musste ich zunächst einmal viel Überzeugungsarbeit leisten, sowohl innerhalb der Verhaltensökonomie als auch in den IT- und Ingenieurwissenschaften. Dabei lernte ich, dass eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und Beharrlichkeit nicht nur dabei hilft den Sprung in neue Gewässer zu wagen und neue Herausforderungen anzunehmen, sondern auch dabei, die Anerkennung Dritter für eigene Leistungen zu gewinnen.“

Die Argumente überzeugten und Christina Strobel konnte ihr Thema durchsetzen. Mithilfe von Experimenten, Laborstudien und Umfragen untersucht sie mehrere Jahre lang, wie Menschen auf automatisierte Systeme reagieren und wie das menschliche Verhalten durch die Nutzung dieser beeinflusst wird.

Dass sie damit auf den richtigen Trend setzte, zeigte sich noch in den letzten Zügen ihrer Doktorarbeit, als Google ihr eine Einstiegstelle anbot. Heute arbeitet Christina Strobel für das Unternehmen in Hamburg.