TUM Ambassador Subhasis Chaudhuri

„Ich habe einen Forschungspartner und Freund gewonnen“

Subhasis Chaudhuri ist gern zu Gast an der TUM. Hier konnte der Spitzenforscher auf dem Gebiet der Bildverarbeitung das Feld seiner Pionierleistungen entscheidend erweitern. Virtuelle Objekte kann man dank seiner Studien wohl schon bald anfassen.

Seit über dreißig Jahren liegt Subhasis Chaudhuris Fokus auf den interdisziplinären Gebieten der Bildverarbeitung und des Bildverstehens. Seine Studien zum sogenannten maschinellen Sehen und maschinellen Lernen gelten in der internationalen Forschergemeinschaft als bahnbrechend. Die von ihm entwickelten Methoden, für die er eine Reihe US-amerikanischer und indischer Patente hält, brachten das Zukunftsgebiet bereits weit voran.

Um möglichst viele Forschungsperspektiven und wissenschaftliche Ansätze kennenzulernen, studierte und forschte Professor Dr. Subhasis Chaudhuri in sechs Ländern. Seinen Master in Elektrotechnik absolvierte er in Kanada, für die Promotion ging er in die USA. Als Gastprofessor führte ihn sein Weg nach Singapur, Hong Kong, Paris, Erlangen-Nürnberg – und seit 2005 mehrfach nach München an die TUM.

Internationale Erfahrungen

„Nur durch internationale Forschungsaufenthalte erhält man ein Gespür dafür, was gute Forschung ausmacht“, erklärt er. „Dabei sollte man natürlich immer versuchen, seine Erfahrungen an den besten Universitäten zu machen. Die TUM ist hierfür mein absoluter Favorit.“ Hier entdeckte Subhasis Chaudhuri ein neues Forschungsfeld für sich – und lernte seinen heute besten Freund kennen.

Die Forschungskooperation mit meinem TUM-Gastgeber hat nie aufgehört.

Mit TUM-Professor Eckehard Steinbach konnte sich der indische Experte auf Augenhöhe über optische Signalverarbeitung, Muster-, Objekt- und Gesichtserkennung durch spezielle Software sowie über die „künstliche“ Generierung von Wissen austauschen. Doch vielmehr noch: Eckehard Steinbach machte seinem Gast auch die eigene Forschungsdomäne schmackhaft.

Am Indian Institute of Technology in Bombay (IITB) hatte Subhasis Chaudhuri primär im visuellen Bereich geforscht. Am medientechnischen Labor der TUM lernte er nun auch die Computer-Haptik und damit ein höchst aktuelles und zukunftsweisendes Forschungsfeld kennen. Mithilfe der Computer-Haptik können rechnergenerierte physische Objekte schon bald nicht mehr nur gesehen und gehört, sondern gleichzeitig auch haptisch erfahren, also gefühlt, deformiert und bewegt werden.

Heimspiel gewonnen

Der Austausch mit seinen Münchner Kollegen beflügelte Subhasis Chaudhuri so sehr, dass er in Bombay sein eigenes Labor für Computer Haptik gründete. „An der TUM konnte ich mich mit vielen Forschern über die Thematik austauschen“, sagt er dankbar. „Das half mir definitiv dabei, ein vollwertiges Labor aufzubauen.“

Mittlerweile sind es Subhasis Chaudhuris eigene Forschungen, etwa zur haptischen Darstellung von Punktwolkendaten, zu kinästhetischer Wahrnehmung und zur haptischen Datenkommunikation, mit denen er das Zukunftsfeld seinerseits bereits entscheidend vorangetrieben hat. „Die Forschungskooperation mit Professor Eckehard Steinbach hat dabei nie aufgehört“, sagt Subhasis Chaudhuri. „Mit ihm habe ich einen Forschungspartner und Freund gewonnen.“

Subhasis Chaudhuri im Gespräch mit TUM-Präsident Thomas F. Hofmann und den anderen TUM Ambassadors.

Subhasis Chaudhuri und sechs andere TUM Ambassadors waren zum Austausch mit TUM-Präsident Thomas F. Hofmann im Vorfeld der Ehrungszeremonie eingeladen (Foto: Astrid Eckert/TUM).

Bescheidener Pionier

Subhasis Chaudhuri bezeichnet sein Schaffen und Wirken bescheiden als schrittweises Vorantreiben des aktuellen Entwicklungsstandes, mit dem er den Forschergrößen von morgen – den „wirklichen Giganten“, wie er sie nennt – den Weg bereiten will. Dass er selbst bereits seit Langem eine herausragende Forscherkoryphäe ist, verdeutlicht seine Reputation in der Fachwelt als ausgewiesener Pionier, machen seine zahlreichen Preise und Ehrungen nur allzu deutlich.

2004 wurde er von der Spitzenagentur der indischen Regierung für wissenschaftliche Forschung, dem Council of Scientific and Industrial Research, mit dem höchsten indischen Wissenschaftspreis ausgezeichnet. 2019 ernannte ihn die Regierung zum Direktor des Indian Institute of Technology in Bombay. Im selben Jahr kam auch eine weitere Auszeichnung hinzu: Die TUM würdigte den bescheidenen Professor mit dem Ehrentitel „TUM Ambassador“. Denn nicht nur er hat hier viel gelernt. Auch seine Kollegen an der TUM haben durch die wissenschaftliche Expertise und internationale Erfahrung von Subhasis Chaudhuri eine ausgesprochene Bereicherung erfahren.