Gründer Bastian Nominacher und Martin Klenk

„Wir hatten die richtigen Zutaten zum Gründen“

Als Alumnus Bastian Nominacher zusammen mit seinen Kommilitonen Martin Klenk und Alexander Rinke sein Start-up gründete, nutzten sie noch seine Privatwohnung als improvisiertes Büro. Heute wird ihr Unternehmen mit einer Milliarde US-Dollar bewertet.

Quasi per Zufall kamen Bastian Nominacher, Martin Klenk und Alexander Rinke zu ihrem Unternehmen: Die drei Gründer engagierten sich während ihres Studiums an der TUM bei der studentischen Unternehmensberatung Academy Consult München. Im Rahmen eines Projektes wollten sie für den Bayerischen Rundfunk den Kundenservice verbessern, doch mit den klassischen Methoden ließ sich das nicht erreichen. Plötzlich fiel den Gründern etwas auf, das den Grundstein für ihr heutiges Start-up legte.

„Das IT-System speicherte automatisch Prozessdaten – ein unheimlich wertvoller Schatz, der ständig wuchs“, sagt Bastian Nominacher. „Uns war klar, dass wir diesen analysieren müssen, dass da ein immenser Wert dahintersteckt.“ Basierend auf einer Veröffentlichung des niederländischen Professors Wil van der Aalst entwickelten die drei jungen Männer ihr eigenes Programm. 2011, kurz nach Abschluss des Studiums, fand die Unternehmensgründung statt. „Erst haben wir zu dritt in meiner Wohnung gearbeitet und sukzessive mehr und mehr Kunden gewonnen“, so Nominacher. Schon früh waren große Konzerne, wie beispielsweise Siemens, an Bord. „Das erlaubte es uns, in den ersten fünf Jahren komplett ohne externes Investment auszukommen – sehr ungewöhnlich für ein Start-up“, so der TUM Alumnus.

Ein echtes Einhorn aus der TUM

Heute ist der 33-jährige Co-CEO eines der weltweit erfolgreichsten Start-ups. Investoren haben die Ausgründung der TUM kürzlich mit einer Milliarde US-Dollar bewertet. Start-ups, die diesen Unternehmenswert erreichen, werden als „Einhörner“ bezeichnet. Noch etwas seltener als in den USA oder China werden sie in Deutschland gesichtet: Lediglich fünf Start-ups haben laut „Handelsblatt“ in den vergangenen zehn Jahren die Milliardenschwelle überschritten.

Schon 2015 war Celonis das am schnellsten wachsende Technologieunternehmen Deutschlands, ein Jahr später erfolgte die Eröffnung der Niederlassung in New York. Mittlerweile nutzt ein Drittel der DAX-Unternehmen die Technologie. Damit gilt Celonis als Weltmarktführer beim so genannten Process Mining. Mit diesem können Unternehmen sämtliche digitale Geschäftsprozesse analysieren und so schnell erkennen, ob es Probleme in den Abläufen gibt und wo diese liegen. „Wir schaffen in diesem Bereich eine komplett neue Kategorie von Technologie“, sagt Bastian Nominacher. „Das macht unsere Tage so unglaublich spannend und aufregend.“

Wir haben eine mutige Vision, aber wir sind mit Haut und Haaren dabei.

Obwohl alle drei Gründer mit ihren Abschlüssen von der TUM auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt waren, entschieden sie sich relativ unerschrocken für die Gründung. „Klar, es war ein Risiko, aber wir hatten damals auch noch keine Verpflichtungen, also war es überschaubar“, sagt Martin Klenk. Und Bastian Nominacher fügt hinzu: „Für mich war es trotz allem ein großer Schritt, aber letztendlich hat mich die Begeisterung unserer Kunden davon überzeugt, weiter zu machen.“ Keiner der drei Männer hatte ursprünglich vorgehabt, als Unternehmensgründer aus dem Studium hervorzugehen. „Wir hatten einfach die richtigen Zutaten zum Gründen“, sagt Bastian Nominacher. Dazu gehören für ihn die richtige Idee, das richtige Timing, der passende Markt und ein tolles Team. „Wenn wir uns fünf Jahre früher auf den Weg gemacht hätten, wäre zum Beispiel noch gar nicht die Rechnertechnologie verfügbar gewesen, um unsere Idee umzusetzen.“

Talentpool der TUM

Eine wichtige Rolle bei der Gründung spielte die TUM. Neben der TUM Gründungsberatung halfen die Lehrstühle für Wirtschaftsinformatik, Industrial Design und Entrepreneurship, das Geschäftsmodell und eine Corporate Identity zu entwickeln. „Egal ob es um die Softwarearchitektur oder ein komplexes Finanzmodell geht – wir können immer wieder auf das Wissen aus der Uni zurückgreifen. Für uns ist das unglaublich wichtig, schließlich hatten wir ja bei der Gründung noch keine Berufserfahrung.“

Auch heute noch ist die Verbindung eng. Mehr als ein Viertel der 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommt von der TUM: „Das wir unser Büro in München an der Theresienstraße haben, ist kein Zufall“, sagt Bastian Nominacher. Tatsächlich sei die Nähe zur TUM ein wichtiger Standortfaktor. „Wir bedienen einen nahezu unbegrenzt großen Markt, es gibt eine sehr starke Nachfrage und wir brauchen wirkliche Talente auf dem höchsten Level.“ Über 2.000 Bewerbungen gehen bei Celonis pro Quartal ein, doch ausgewählt werden nur wenige. „Wir sind sehr selektiv, aber die TUM bietet uns einen sehr guten lokalen Talentpool. Wenn es die TUM hier nicht geben würde, müssten wir wahrscheinlich wegziehen, weil einfach keine Mitarbeiter da wären.“

Zukunftsvision Wachstum

Neben den Hauptsitzen in München und New York betreibt Celonis international zahlreiche weitere Büros. In den USA hat das Unternehmen vier Standorte und erwirtschaftet die Hälfte des Umsatzes. Der Sprung über den Atlantik, den manche für gewagt hielten, schreckte die Gründer nicht. „Wir waren überzeugt, dass US-Unternehmen die gleichen geschäftlichen Herausforderungen bei der Prozessoptimierung haben“, sagt Nominacher. Außerdem hatte Celonis den Schritt gut vorbereitet, indem es sich fünf Jahre nach der Gründung erstmals erfahrene Investoren als Partner nahm.

Auch für die Zukunft ist weiteres Wachstum angesagt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Celonis in einigen Jahren ein Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeitern ist“, so Bastian Nominacher. Schließlich ist das Unternehmen der absolute Marktführer in seinem Bereich und muss momentan Nachfragen aus der ganzen Welt abdecken. Einen Börsengang schließen die Gründer nicht aus, einen Verkauf dagegen schon. „Wir haben eine mutige Vision, aber wir sind mit Haut und Haaren dabei“, ist Bastian Nominacher überzeugt.