TUM Familie Reimann

„Die Vielfalt unserer Erfahrungen hat uns weit gebracht“

Die Begeisterung für den Weinbau – im tiefsten Brauerland – brachte sie zusammen. Inzwischen bewirtschaften Anna und Stephan Reimann ihr eigenes Weingut „Cantzheim“ an der Saar. Und alles begann mit einem Gartenbaustudium an der TUM.

Die Leidenschaft für den Weinbau in seiner ganzen Bandbreite – das ist es, was die beiden antreibt. Vom Anbau über die Lese und die Verarbeitung der Trauben bis hin zum Vertrieb des Kultur- und Genussgutes Wein, das alles bereitet Anna und Stephan Reimann Freude. Während des Studiums lernten die beiden Rheinländer sich kennen – fern der Heimat in Bayern. „Letztlich war es die gemeinsame Begeisterung für den Weinbau, wodurch wir uns kennengelernt haben“, erzählen sie heute. „Im Rahmen einer Vorlesungsreihe über Weinbau fuhren wir auf Weinbauexkursion nach Franken, dort kamen wir aus dem Philosophieren über den Wein und das Leben gar nicht mehr raus.“

Anna Reimann hatte schon immer eine Leidenschaft für Biologie und besonders für Pflanzen. Die gebürtige Rheinländerin wollte weit weg von zu Hause studieren und entschied sich für die TUM. „Weihenstephan hatte immer einen sehr guten Ruf und ich habe mich tatsächlich auf Bayern gefreut!“, erzählt die Alumna. Ihr Mann Stephan wuchs in einem Gartenbaubetrieb auf und entschied sich nach seiner Gärtnerlehre für ein Studium. Seine Lehrer rieten ihm zu Weihenstephan, und es war Liebe auf den ersten Blick: „Bei der Besichtigung vor Ort hat mir der Campus sehr gefallen und auch, dass die Fachhochschule am gleichen Ort ist.“

Weihenstephan war erst der Anfang

Dass ein Studium allein nicht für alle Zeiten reicht und man Unterschiedliches kennenlernen sollte, war beiden klar: „Wir waren immer sehr umtriebig und haben versucht, möglichst vielseitige Erfahrungen zu sammeln. Wir haben in großen Konzernen, mittelständischen Unternehmen und Familienbetrieben gearbeitet. Außerdem bilden wir uns ständig fort.“ So verwundert es nicht, dass es beide nach dem Studium wieder woanders hinzog. Stephan Reimann promovierte in Bonn über Pflanzenkrankheiten und machte seinen Winzermeister. Anna Reimann absolvierte erst ein Aufbaustudium in Weinbau und Önologie in Montpellier und dann ihren EMBA in Mannheim und Paris. „Letztlich ist es die Vielfalt der Erfahrungen, die uns aus unserer Sicht weitergebracht haben und die auch den Entschluss haben reifen lassen – der Traum einer selbstständigen unternehmerischen Tätigkeit war seit der Jugend da – ein eigenes Weingut zu gründen.“

Es ist die Vielseitigkeit, die den Reiz des Weinbaus ausmacht

Das Weingutsgebäude in Kanzem, das das Paar heute als Vinothek, Gästehaus und Veranstaltungsort betreibt, gehörte einst dem Prämonstratenserkloster Wadgassen, anschließend dem Trierer Priesterseminar. Anna Reimanns Vater Georg Thoma kaufte das Anwesen 2007, um dieses historische Kleinod zu erhalten. 2013 begannen die Restaurations- und Umbauarbeiten mit dem renommierten Architekten Max Dudler.

Mehr als ein Weingut

Letztes Jahr war es dann soweit: „Wir haben in 2017 unseren ersten Jahrgang (2016) präsentiert. Im Herbst 2017 durften wir in zusätzlichen renommierten Steillagen an der Saar ernten. Wir hatten großes Glück, dass uns ein alteingesessener Betrieb seine Flächen überlassen hat.“ Diese steilen Lagen haben es in sich und können nicht mit Maschinen bewirtschaftet werden. Aber genau darin liegt für die Reimanns der Mehrwert: „Die Steillagen und deren besonderes Terroir sind der entscheidende Faktor für die Qualität der Saarweine. Rieslinge, wie man sie an der Saar keltern kann, gibt es weltweit nirgendwo, deswegen werden für gewisse Weine aus der Region immense Preise bezahlt. Die Arbeit in den Steillagen ist sehr mühsam, aber die Weine, die dort entstehen und die begeisterten Rückmeldungen der Genießer aus der ganzen Welt sind Motivation genug, diese Mühen auf sich zunehmen. Außerdem sehen wir es als positive Herausforderung an, die (Wein-)Kulturlandschaft an der Saar, die nun einmal von den Steilhängen geprägt ist, zu erhalten.“ Gastwinzer und –köche, Ausstellungen, Veranstaltungen und Hochzeiten: die beiden haben ein breites Programm aufgebaut, das das Weingut mit Leben füllt.

Idyllisch an der Saar liegen das Weingut und das Gästehaus Cantzheim. Die Weinberge erstrecken sich direkt darüber an den Ufersteilhängen.

Idyllisch an der Saar liegen das Weingut und das Gästehaus Cantzheim. Die Weinberge erstrecken sich direkt darüber an den Ufersteilhängen (Foto: Weingut Cantzheim / Susanne Schug).

Dass beide in Studium und Beruf so vielfältige Erfahrungen gemacht haben, die ihren Ursprung im Gartenbaustudium in Weihenstephan haben, sehen sie als Grundlage ihres Erfolgs: „Wir sind uns unseres Werdegangs und unserer Wurzeln sehr bewusst und auch stolz auf unsere „Erdung“, weswegen unsere Gutsrieslinge „der Gärtner“ und „die Gärtnerin“ heißen – ein Selbstzitat sozusagen.“ Einen besonderen Insider-Tipp für Studierende in Weihenstephan haben die beiden nicht, aber schöne Erinnerungen: „Wir fürchten, unser Studium liegt doch zu weit zurück, es hat sich wahrscheinlich sehr viel verändert – obwohl das legendäre Bierfest der Brauer wird es ja hoffentlich noch geben!“