TUM Emerita of Excellence Angelika Görg

„Mein Labor war die ganze Welt“

Ursprünglich wollte Angelika Görg nur für zwei Jahre an die TUM kommen, um zu promovieren. Sie blieb ein Leben lang. Als Pionierin des Forschungsgebietes Proteomik wurde sie vielfach ausgezeichnet und fand weltweit große Anerkennung.

Die Chemie weckte den Forschergeist in TUM Alumna Angelika Görg: Noch heute erinnert sie sich an ihre Schulzeit und einen ausgezeichneten Chemielehrer, der aus der Industrie kam. Ein Praktikum während des Studiums am Max-Planck-Institut für Virusforschung  tat sein Übriges: Die Arbeitsatmosphäre im Forscherteam gefiel Angelika Görg sehr, die Faszination für die Forschung war geweckt. „Im Studium waren Proteine mein Lieblingsthema geworden“, sagt sie im Rückblick. Passenderweise wurde am neugeschaffenen Institut für Lebensmitteltechnologie des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TUM ein passendes Forschungsthema vergeben. „Ich sagte zu und wollte ursprünglich nur für zwei Jahre bleiben. Daraus wurde ein Leben lang.“

Erste habilitierte Frau ihrer Fakultät

Die methodische Entwicklungsarbeit zur Differenzierung und Identifizierung von Proteinen, also der Weg vom Genom zum Proteom wurde Angelika Görgs Herzensthema. In den Achtzigern war dies die Elektrophorese. Es gab weltweit nationale Elektrophorese-Gesellschaften, die in regelmäßigem Turnus nationale und internationale Meetings veranstalteten. Hier begann Angelika Görg ihre Vortragstätigkeit. „Die von uns entwickelte hochauflösende zweidimensionale Elektrophorese mit immobilisierten pH Gradienten mit nachfolgender Identifizierung von hunderten von Proteinen, war hochaktuell.“ So aktuell, dass die junge Forscherin schon bald regelmäßig ins Ausland zu Vorträgen und Kooperationen eingeladen wurde. Im Jahr 1989 war sie die erste Frau, die an ihrer Fakultät habilitiert wurde.

Geforscht und gelehrt hat Angelika Görg mittlerweile auf der ganzen Welt: In Amerika, China, Korea, Japan, Australien war sie ein hochgeschätzter Gast bei Kongressen und Kooperationen. „Ich habe von den neuesten Ergebnissen der Forschung an den verrücktesten Orten der Welt erfahren. Gekostet hat das die TUM nie etwas. Die Reisen haben immer meine Gastgeber bezahlt.“ Doch die TUM hat die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen, um eine solch breite internationale Forschungstätigkeit zu unterstützen. Noch heute ist Angelika Görg, mittlerweile vielfach ausgezeichnet und geehrt, der TUM dankbar für die guten Bedingungen. „Mein Labor war nicht riesig, aber darauf kam es auch gar nicht an“, sagt sie. „Wichtig war, dass die TUM mir einen weltweiten Aktionsradius in der Forschung ermöglichte, der mein ‚zu Hause‘ nie langweilig machte. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Ich habe einen Weg gefunden, aber er hat mich Einsatz gekostet.

Vieles von dem, was Angelika Görg geleistet hat, war gerade in den achtziger Jahren nicht selbstverständlich. „Ich habe mich da durchgekämpft“, sagt sie heute. „Ich habe einen Weg gefunden, der für die Zeit entsprechend war, aber er hat mich einiges an Einsatz gekostet.“  Noch im Flieger auf dem Weg zu den Kongressen hat sie an ihren Vorträgen gearbeitet und sich auf den Konferenzen Vorbilder gesucht, an denen sie sich orientieren konnte. „Wir hatten damals noch keine Fortbildungsmöglichkeiten für gute Präsentationstechniken oder ähnliche Soft Skills. Ich habe mir einfach die besten Leute angeschaut und von ihnen gelernt.“

Vielfach ausgezeichnet

Heute lassen sich die Erfolge von Angelika Görg nicht mehr auf begrenztem Raum darstellen: Sie beantragte unter anderem erfolgreich das erste EU-Proteom-Projekt, engagierte sich als Präsidentin der Deutschen Elektrophorese-Gesellschaft und wurde 2001 Council Member in der neu gegründeten weltweiten Human Proteome Organisation. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Bayerischen Verdienstordens. Im Jahr 2009 wurde ihr von TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann der Ehrentitel TUM Emerita of Excellence verliehen.

Im Rückblick auf ihre Forschungstätigkeit gerät sie noch heute ins Schwärmen: „Gerade die Begeisterung, die Aufbruchsstimmung für ein neues Wissensgebiet und dies mit Kollegen aus aller Welt zu teilen und dann zu Hause an der TUM den Studierenden hochaktuell in der Vorlesung zu vermitteln, das war schon wunderbar.“ Auch im wohlverdienten Ruhestand ist Angelika Görg noch gut beschäftigt, derzeit etwa als stellvertretende Ombudsperson der TUM für die Prüfung von wissenschaftlichem Fehlverhalten, wo es von Vorteil ist, die Dynamik von internationalen, hochrangigen Forschergruppen aus eigener Erfahrung zu kennen. Auch für die Zukunft wünscht sich Angelika Görg ein zeitlich machbares „Weiter so“ mit unterschiedlichsten Aufgaben an der TUM.