TUM Ambassador Amaresh Chakrabarti

„Arbeitet hart und folgt eurer Leidenschaft“

In seiner Heimat Indien wuchs Amaresh Chakrabarti in bescheidenen Verhältnissen auf. Heute zählt er in seinem Land zu den Pionieren auf dem Gebiet der Designforschung. Das Erfolgsrezept des TUM Ambassadors ist steter internationaler Austausch.

Von Kindesbeinen an wurde Amaresh Chakrabarti vom künstlerisch geprägten Alltag seiner Familie beeinflusst. Vom Vater, einem Sanskrit-Gelehrten, und seiner Tante, einer Künstlerin, inspiriert, schrieb er schon als Kind Gedichte und malte Bilder. Gleichsam wurde er aber auch von seinem Onkel, der Bauingenieur war, an die Naturwissenschaften herangeführt und versuchte sich schon früh an ersten technischen Konstruktionen. In seinem späteren Beruf wollte er am liebsten in beiden Bereichen gleichzeitig arbeiten.

Den Kindheitstraum erfüllt

Dass er sich damals, jung und unerfahren, in seinen Entscheidungen zur Wahl des Studienfaches und -schwerpunktes mehr durch sein Umfeld als durch bewusste eigene Überzeugung leiten ließ, hat sich für Amaresh Chakrabarti rückblickend als ausgesprochen gewinnbringender Umstand herausgestellt. Das Studium des Maschinenbaus, das ihm ein Freund seines Vaters, ein Bauingenieur, angeraten hatte, ebenso wie seine spätere, durch Kommilitonen vorgeschlagene Spezialisierung auf Mechanical Systems Design, ebneten Amaresh Chakrabarti den Weg zu einer wissenschaftlichen Laufbahn, die ihm seinen Kindheitstraum, naturwissenschaftlich und gleichsam künstlerisch arbeiten zu können, wahr werden ließ.

Als Jahrgangsbester und mit Auszeichnungen absolvierte Amaresh Chakrabarti in Indien sowohl seinen Bachelor in Mechanical Engineering als auch seinen Master in Mechanical Systems Design. Sein Professor legte ihm schließlich die Bewerbungsunterlagen für die Promotion an einer britischen Universität vor. Aus Respekt vor seinem Mentor füllte Amaresh Chakrabarti diese aus, noch ehe er begriff, was es bedeutete, an die renommierte Universität Cambridge empfohlen zu werden. „Erst als ich ein prestigeträchtiges Stipendium für die Promotion erhielt, wurde mir erneut klar, wie viel Glück ich hatte“, erinnert sich Amaresh Chakrabarti heute bescheiden zurück.

Pionier der Designforschung

Nach der erfolgreichen Promotion blieb Amaresh Chakrabarti noch für weitere zehn Jahre in Großbritannien und leitete das Design Synthesis Team am EPSRC Centre for Excellence in Engineering Design. 2001 folgte schließlich der Ruf zurück nach Indien an seine Alma Mater, das Indian Institute of Science. Als leitendes Fakultätsmitglied sollte er das neugegründete Centre for Product Design and Manufacturing (CPDM) in Bangalore mitaufbauen. „Es war mein großer Traum, in meine Heimat zurückzukehren und dort mit meiner Forschung und Lehre in Designtheorie und -methodik den Innovationssprung, zu dem Indien zu jener Zeit gerade ansetzte, zu unterstützen. Der Ruf meiner Alma Mater an das neue Department für Design, das hierbei – wenn man es richtig anstellte – eine entscheidende Rolle spielen konnte, schien mir genau die richtige Gelegenheit, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.“

Mit unbeschreiblichem Engagement machte sich Amaresh Chakrabarti daran, das CPDM in landesweiter Pionierarbeit zu entwickeln. Er gründete das Virtual Reality Laboratory (VRLab) und das IDeaS Lab für Designforschung (Innovation, Design Study and Sustainability Laboratory), in Indien die ersten Einrichtungen für innovative Sonderforschungsbereiche wie Design Creativity, Design- und Forschungsmethodik sowie Nachhaltigkeit. Zudem war er Mitinitiator der ersten indischen Designforschungskonferenz und des ersten formellen Doktorandenprogramms für Design in Indien. Hunderte Studierende haben seither ihr Studium erfolgreich abgeschlossen, zählen zu den Gewinnern internationaler Wettbewerbe und zu den Gründern innovativer Start-ups, berichtet Amaresh Chakrabarti stolz.  Schließlich hat Amaresh Chakrabarti Indiens erste Smart Factory (Industrie 4.0) als Forschungsplattform mitinitiiert und leitet ab 2019 am CPDM ein brandneues interdisziplinäres MTech- und PhD-Programm für intelligente Produktion.

Interkultureller Austausch als Erfolgsrezept

Seinen jungen Studierenden rät Amaresh Chakrabarti genau das, was ihm selbst zu seinem Erfolg verholfen hat: „Arbeitet hart und folgt eurer Leidenschaft. Der Rest kommt dann von ganz allein.“ Aus eigener Erfahrung rät er dem Forschernachwuchs aber auch, stets über den Tellerrand zu blicken und interkulturell, international und interdisziplinär zu arbeiten. „Wer ein international anerkannter Forscher sein will, muss über internationale Kontakte sowie über interkulturelle Kompetenzen verfügen“, sagt er.

An der TUM wurde ich nach meinen wissenschaftlichen Leistungen und nicht nach meinem kulturellen Hintergrund beurteilt.

Bei vielen seiner Projekte ist Amaresh Chakrabarti auf internationale Zusammenarbeit bedacht und arbeitet mit Universitäten und Instituten auf der ganzen Welt zusammen. 2013 ging er samt Frau und Tochter nach München, um an der TUM zu forschen, zu lehren, aber, wie er betont, auch zu lernen. „Von Interesse war für mich als Theoretiker vor allem die starke praxisbezogene Ausrichtung der TUM als Deutschlands führender Universität für Ingenieurwissenschaften sowie die weitreichenden Verbindungen des Instituts für Produktentwicklung in die freie Wirtschaft“, wie Amaresh Chakrabarti seine damalige Entscheidung für das Forschungssemester an der TUM begründet.

Wissenschaft verbindet Menschen

Genauso energiegeladen wie an seinen eigenen Einrichtungen in Indien nutzte Amaresh Chakrabarti auch die vielfältigen Möglichkeiten, die ihm an der TUM offenstanden. Er bot einen Doktorandenkurs zur Designforschungsmethodik an, hielt eine Reihe von Vorträgen, sprach auf Podiumsdiskussionen und organisierte mit TUM Professor Udo Lindemann einen internationalen Workshop, der zu einer gemeinsamen Publikation bei Springer führte. Mit großem Respekt erinnert sich Amaresh Chakrabarti an seinen Kollegen zurück; „Ich wurde nach meinen wissenschaftlichen Leistungen und nicht nach meinem kulturellen Hintergrund beurteilt.“

Schließlich erklärte sich Amaresh Chakrabarti nach einer Alumni-Veranstaltung spontan dazu bereit, auch noch das Mentorat für einen Doktoranden zu übernehmen. Gemeinsam starteten sie das erste Tandem des TUM Mentoring for Scientists Programms, das seither internationale Forscher mit dem akademischen Nachwuchs verbindet. Seinen Mentee und einen weiteren Studenten der TUM hat er gleich für gemeinsame Forschungen nach Indien geholt. „Der Ehrentitel TUM Ambassador, der mir von Präsident Wolfgang A. Herrmann verliehen wurde, macht mich stolz und demütig“, so Amaresh Chakrabarti. „Er ist Ausdruck dafür, dass Wissenschaft dazu imstande ist, nationale und kulturelle Grenzen zu überschreiten und Menschen zu verbinden, die gemeinsam an der Lösung der Probleme unserer Welt arbeiten.“